7. Nov. 2018
Soziales

Niedersachsen will den Bau von Sozialwohnungen vervierfachen

Der soziale Wohnungsbau in Niedersachsen soll kräftig Schub bekommen. Das Bündnis für bezahlbares Wohnen, eine Allianz aus mehr als 30 Verbänden, Kammern, Unternehmen und Kommunen, hat am Mittwoch in Langenhagen Ergebnisse und Empfehlungen aus der bisherigen Arbeit präsentiert. Ziel ist es, bis zum Jahr 2030 insgesamt 40.000 neue Sozialwohnungen zu bauen. Dazu müssten 4000 neue Wohnungen pro Jahr entstehen. „Es braucht einen gewissen Vorlauf. Wir werden uns im nächsten Jahr nicht sofort von aktuell 1000 auf 4000 Wohnungen steigern“, erklärte Heiner Pott, Direktor des Verbandes der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft in Niedersachsen (VDW). Nach ein paar Jahren könnten Pott zufolge dann aber auch mehr als 4000 Wohnungen im Jahr möglich sein. Der Wohnungsnotstand ist auch auf politische Sünden der Vergangenheit zurückzuführen. Zwischen 2010 und 2016 seien in Niedersachsen insgesamt gerade einmal 3000 Sozialwohnungen gebaut worden, sagte Pott. https://soundcloud.com/user-385595761/weil-das-bauen-in-niedersachsen-soll-leichter-werden Das ist unter anderem eine Frage des Geldes. Laut Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil steht beim Land in den kommenden vier Jahren knapp eine halbe Milliarde Euro zur Verfügung. Er gehe davon aus, dass man in Bund und Land zu einer laufenden Aufstockung kommen werde. Die Landesregierung werde sich intensiv um den Wohnungsbau kümmern, versprach der Ministerpräsident. „Ich bin mir bewusst, dass es nicht mit freundlichen Grußworten auf Fachkongressen wie diesem getan ist. Ich mache mir das Ziel, 40.000 Wohnungen bis zum Jahr 2030 zu bauen, persönlich zu eigen.“ Bezahlbares Wohnen gehöre für viele zur Grundlage eines sicheren Lebens. Es sei eine zentrale Aufgabe der Politik, dafür zu sorgen, dass wieder mehr Vertrauen und Sicherheit in eine Gesellschaft hineinkomme. Wenn Menschen nahezu die Hälfte für die Miete ausgeben müssten, ist das Weil zufolge nicht weniger als sozialer Sprengstoff. „In Niedersachsen sind wir noch nicht so weit. Aber es ist gut, wenn wir Vorkehrungen treffen, dass wir gar nicht erst so weit kommen.“ [caption id="attachment_36380" align="aligncenter" width="512"] Die Grafikerin Anja Weiss stellte die Veranstaltung....[/caption] Ab Januar soll es in Niedersachsen bessere Förderbedingungen geben. Vorgesehen ist unter anderem, die förderfähigen Baukosten pro Quadratmeter regional gestaffelt zu erhöhen. Investoren sollen einen höheren Tilgungsnachlass bekommen, außerdem sollen die Laufzeiten der Darlehen auf bis zu 35 Jahre verlängert werden. „Wir gehen davon aus, dass es eine viel intensivere Nachfrage gibt, wenn die Förderung dem Bedürfnis der Investoren noch stärker entspricht“, sagte Michael Kiesewetter, Vorstandsvorsitzender der NBank. Es könnten Renditeniveaus von drei Prozent oder mehr erreicht werden. Damit seien die gesteckten Ziele beim Bau von Sozialwohnungen erreichbar. Neben einer überarbeiteten Förderung empfehlen die Experten auch eine Grundstücksdatenbank für Bauflächen auf Landesebene. Es sei für Investoren zu wenig Transparenz am Markt, meinte Christopher Toben von der Niedersächsischen Landgesellschaft. Das Wissen der Kommunen über Baugrundstücke solle deshalb auf Landesebene zusammengeführt und im Internet öffentlich zugänglich gemacht werden. [caption id="attachment_36381" align="aligncenter" width="637"] ...während der Reden und Diskussionen  in kleinen Bildern dar - Foto: MB.[/caption] Die niedersächsische Bauordnung soll ebenfalls überarbeitet werden. Ziel ist dabei, Genehmigungsverfahren schneller und kostengünstiger zu machen. Cornelia Höltkemeier von der Landesvereinigung Bauwirtschaft plädierte dafür, Planungsprozesse beim Bauen zu optimieren. „Bisher stellt jeder in seinem Bereich zumeist Maximalforderungen auf. Die Vorgaben zu Barrierefreiheit, Energie oder Schallschutz bedeuten für die Bauausführung widerstreitende Interessen, die zu höheren Preisen führen.“ Höltkemeier erklärte es am Beispiel einer Tür mit einem Fenster: „Vorgesehen ist eine Lösung ohne Schwelle. Dadurch verschlechtert sich aber der Schallschutz. Die Folge: die Scheibe dicker und damit auch schwerer. Standardprofile passen nicht mehr, so dass man einen verstärkten Rahmen benötigt. Das wird dann aber so schwer, dass man einen motorische Türöffner braucht. So wir bezahlbares Wohnen zum Problem.“ [caption id="attachment_36382" align="aligncenter" width="780"] Pressekonferenz mit Olaf Lies, Heiner Pott und Michael Kiesewetter - Foto: MB.[/caption] Das Bündnis hatte seit dem 21. März in fünf Arbeitsgruppen getagt. Die gemeinsame Arbeit soll weitergehen. Man werde immer wieder schauen, ob nachgesteuert werden müsse, sagte Bauminister Olaf Lies. Er sprach sich beim Wohnungsbau künftig für mehr Flexibilität aus. „Es ergibt auch Sinn, die dicken Bretter anzufassen. So können wir zum Beispiel fragen, ob es Sinn macht, dass es in 16 Bundesländern 16 verschiedene Bauordnungen gibt.“
Dieser Artikel erschien in Ausgabe #198.
Martin Brüning
AutorMartin Brüning