In Niedersachsen werden 300.000 neue Wohnungen gebraucht
Der Wohnungsmarkt in Niedersachsen entwickelt sich immer stärker auseinander. Bis zum Jahr 2035 werden in Niedersachsen fast 300.000 zusätzliche Wohnungen benötigt. Das geht aus der neuen Wohnungsmarktbeobachtung der NBank hervor, die in Hannover vorgestellt wurde. Die Studie erscheint alle zwei Jahre. Gleichzeitig wird es aber auch einen Überhang von rund 70.000 Wohnungen geben. Das ergibt sich aus großen regionalen Unterschieden bei der Verteilung von Wohnungsangebot und -nachfrage. Neue Wohnungen werden vor allem in Vechta, Cloppenburg, im Emsland sowie in Osnabrück und Hannover benötigt. Zu viele Wohnungen gibt es unter anderem dagegen in Osterode am Harz, Goslar und Holzminden. „Wir brauchen ein regionales Konzept für die Wohnraumförderung“, sagte Sozialministerin Cornelia Rundt. „Vor allem die Städte wachsen, weil es einen Trend zur Urbanisierung gibt und dort auch Arbeitsplätze entstehen.“
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Die Lage auf dem Wohnungsmarkt habe sich auch verschärft, weil die Bevölkerungsprognose für Niedersachsen deutlich positiver ausfalle als zuvor angenommen, meinte NBank-Vorstand Sabine Johannsen. „Vor zwei Jahren sind wir noch von einem Bevölkerungsrückgang von fünf Prozent ausgegangen, jetzt sind es nur noch 1,3 Prozent.“ Das liege an einem Anstieg der Zuwanderung, auch aus europäischen Ländern, und der hohen Zahl von Flüchtlingen. Das habe nicht nur Auswirkungen auf die benötigte Zahl sondern auch auf die Art der Wohnungen. „Es werden mehr kleinere Wohnungen, Geschosswohnungen und bezahlbarer Wohnraum benötigt. Wir würden uns freuen, wenn dafür jetzt mehr Förderanträge gestellt würden“, so Johannsen.
In den Ballungszentren erkennt Sozialministerin Rundt Hemmnisse für neuen Wohnraum. „Gerade dort tut man sich schwer, vor allem bezahlbare Grundstücke bereitzustellen. Gleichzeit gibt es Verzögerungen bei den Planungsverfahren“, sagte Rundt. Gerade in den großen Städten werde es eine Nachverdichtung geben müssen. In Berlin seien zahlreiche Gebäude inzwischen von den zuvor üblichen vier auf fünf Geschosse erhöht worden. „Das wird auch in Niedersachsen in bestimmten Ballungszentren nach und nach passieren“, ist Rundt überzeugt. Der Schwerpunkt des Landes sei dabei, dass bezahlbare Wohnungen entstünden. „Alleinerziehende, kinderreiche Familien und ältere Menschen dürfen nicht verdrängt werden. Deshalb fördern wir gezielt in diesem Bereich, um Anreize zu setzen.“ Der Studie zufolge hat inzwischen
fast jeder fünfte Haushalt in Niedersachsen eine Mietbelastung von über 40 Prozent. Besonders kritisch sei die Situation für Single-Haushalte und Senioren, deren Zahl bis zum Jahr 2035 deutlich zunehmen werde.
Mit der Bautätigkeit der vergangenen Jahre zeigte sich Rundt zufrieden. Seit 2014 seien jedes Jahr mehr als 25.000 Wohnungen fertiggestellt worden. Vor allem der Bau neuer Geschosswohnungen legt seit Jahren deutlich zu. So worden im Jahr 2009 nicht einmal 3000 Geschosswohnungen in Niedersachsen gebaut, 2015 waren es über 8000. Die Zahl dürfte weiter steigen. 2016 seien noch einmal acht Prozent mehr Wohnungen genehmigt worden als im Vorjahr. Allerdings sind mehr als die Hälfte der gebauten Geschosswohnungen nicht zur Vermietung, sondern für den Verkauf bestimmt. Vor allem in den Städten machten Eigentumswohnungen einen Großteil aus, heißt es in dem Bericht.
Zugleich fehlt es immer mehr als Sozialwohnungen. Ihre Zahl sank von 97.000 im Jahr 2012 auf nur noch 86.000 im vergangenen Jahr. In den kommenden Jahren werde sich der Rückgang noch einmal beschleunigen, weil zahlreiche Wohnungen aus der Sozialbindung herausfielen. Der Neubau von preisgebundenen Wohnungen könne den Rückgang der bestände nicht aufhalten, heißt es in der Studie.
Am Fördergeld mangelt es Rundt zufolge nicht. Inzwischen bietet das Land auch Tilgungszuschüsse für diejenigen an, die in den sozialen Wohnungsbau investierten. „Jetzt müssen wir erst einmal schauen, welche Anreize wir damit gesetzt haben. Wenn die Tilgungszuschüsse ein Renner werden, werden wir uns mit dem Bund noch einmal über Geld unterhalten müssen.“Dieser Artikel erschien in Ausgabe #123.