
Beim Ausbau des Fahrradverkehrs verfolgt Niedersachsen ein ambitioniertes Ziel: Bis 2030 soll ein Viertel aller Wege im Land mit dem Rad zurückgelegt werden. Bei einem aktuellen Anteil von etwa 15 Prozent liegt also noch ein gutes Stück Wegstrecke vor der selbst gesetzten Zielmarke der rot-grünen Landesregierung. Niedersachsens Verkehrsminister Grant Hendrik Tonne (SPD) hat nun ein Programm vorgelegt, das die Radmobilität künftig noch attraktiver und auch sicherer machen soll. Mit rund 26,5 Millionen Euro will das Land in diesem Jahr das Radwegenetz ausbauen beziehungsweise sanieren. Das sei so viel Geld wie noch nie, erläuterte Minister Tonne am Mittwoch in der Landespressekonferenz. In den vergangenen beiden Jahren seien je 22,5 Millionen Euro bereitgestellt worden, 2019 lag dieser Wert noch bei gerade einmal zehn Millionen Euro. Der Betrag für den Radwegebau sei dabei Teil eines der größten Landesbauprogramme der vergangenen Jahrzehnte, sagte Tonne. Insgesamt rund 170 Millionen Euro sollen in Landesstraßen, Brücken und eben auch Radwege investiert werden. Teilweise stammen diese Mittel aus dem Sondervermögen des Landes. Tonne betonte die vielen Vorteile des nicht-motorisierten Individualverkehrs: Mit dem Rad zu fahren sei nicht nur besser für die Umwelt und für die Gesundheit des Einzelnen, sondern entlaste auch die Straßen und Innenstädte. Das Programm stärke „den Alltag der Menschen – ob auf dem Weg zur Arbeit, zur Schule oder in der Freizeit – und bringt gleichzeitig mehr Klimaschutz und Lebensqualität in unsere Regionen“. Der Radtourismus sei zudem ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.
Das Wirtschaftsministerium finanziert in diesem Jahr landesweit 13 Neubauprojekte. Zudem sollen 46 Radwegeabschnitte mit einer Gesamtlänge von 130 Kilometern saniert werden, um die bestehende Infrastruktur zu sichern. Tonne erläuterte, dass bei der Planung dieser Maßnahmen gemäß einer Strategie vorgegangen werde. Drei Punkte spielten dabei eine herausgehobene Rolle. Erstens werde beim Neubau gezielt darauf geachtet, die Lücken im bestehenden Radwegenetz zu schließen. Es soll künftig also seltener vorkommen, dass Radwege abrupt im Nichts enden. Bei der Auswahl der Strecken habe man zudem besonders auf Pendlerstrecken und Schulwege geachtet. Zweitens spiele es bei der Sanierung der Radwege eine Rolle, nicht nur entstandene Schäden zu beseitigen, sondern die Wege auch an moderne Standards anzupassen. Nicht zuletzt durch das Aufkommen der Elektrofahrräder müssten Radwege heute breiter sein als früher. Drittens habe das Wirtschaftsministerium bei der Planung der Bau- und Sanierungsarbeiten an Radwegen auch die Planungen zum regulären Straßenbau berücksichtigt. So sollen Ressourcen effizienter eingesetzt und Straßen seltener gesperrt werden.
Wirtschaftsminister Tonne hob hervor, dass in diesem Jahr erstmals das Landesbauprogramm für das Radwegenetz eingeständig vorgestellt wurde. Damit solle die Bedeutung der Radmobilität deutlich gemacht werden. Der Fahrradverkehr sei kein Zusatz, sondern zentraler Bestandteil der Mobilitätspolitik der Landesregierung, beteuerte der Sozialdemokrat. Eine weitere Besonderheit: In diesem Jahr sei das Programm gut zwei Monate früher als in den vorangegangenen Jahren fertiggestellt worden. Dadurch könne mit der Ausschreibung der Bauvorhaben nun auch früher begonnen werden. Tonne erklärte auf Nachfrage, die Zusatzinvestitionen aufgrund des Sondervermögens seien ein Ansporn. Die Regierung müsse nun zeigen, dass sich das zusätzliche Geld auch in konkreten Maßnahmen im Land widerspiegele. Deshalb sei es ihm wichtig gewesen, die gängigen Verfahren entsprechend zu beschleunigen. Und das soll sich fortsetzen: Das Radwege-Programm für das kommende Jahr soll sogar noch in 2026 vorgestellt werden. Den ambitionierten Arbeiten in Niedersachsen steht derweil ein Bundeshaushalt gegenüber, in dem die Investitionen in den Radverkehr stark zusammengestrichen wurden. Tonne berichtete, dass dem Land lediglich 12,5 Millionen Euro für die Radwege entlang der Bundesstraßen zur Verfügung stünden. Das Land müsse daher erheblich umschichten, um überhaupt nur die Sanierung dieser Wege finanzieren zu können.


