23. Jan. 2026 · 
TagesKolumne

Niedersachsen & Friends

Scholz & Friends entwickeln eine Standortkampagne für Niedersachsen. In einem offenen Brief erklären wir der Kreativabteilung in Berlin, worauf es dabei ankommt.

Das ging fix: Auf der Suche nach einem neuen Niedersachsen-Image hat die renommierte Berliner Agentur „Scholz & Friends“ den Zuschlag für die Konzeption einer Standortkampagne erhalten. Die Erwartungen sind groß, denn die PR-Profis haben es sogar geschafft, Schwäbisch für hip zu verkaufen. Doch damit wir dieses hohe Tempo beibehalten können, möchte ich an dieser Stelle meine Hilfe anbieten und Niedersachsen proaktiv bei der Agentur vorstellen. Man weiß ja nie, wie viele Bundesländer dort gerade auf dem Schreibtisch liegen und auf Bearbeitung warten.

Die Agentur "Scholz & Friends" soll das Image von Niedersachsen aufpolieren. Damit ist der Weg frei für mehr Glitzer. | Foto: Link/mit KI generiert

Liebe Kreativabteilung von Scholz & Friends,

wir sind Niedersachsen. 47.700 Quadratkilometer beste Entwicklungsfläche zwischen Nordsee und Harz. Flächenmäßig sind wir Vizemeister unter den Bundesländern, in der öffentlichen Wahrnehmung aber eher Ersatzbank.

Unser größtes Problem: Man hält uns für eine riesige Urlaubsregion und mehr nicht. Das ist nett, zahlt aber keine Gewerbesteuer. Laut einer Allensbach-Umfrage rechnen uns nur 26 Prozent der Deutschen zu den wirtschaftlich starken Bundesländern. Im eigenen Land sind es sogar nur 25 Prozent. Wir sind also nicht nur unterbewertet, sondern auch ein bisschen zu selbstkritisch.

Man kennt uns für Heide, Küste und Kühe. Auch das ist schön, aber beim Investorenpitch für Neuansiedlungen im Hightech-Bereich nur begrenzt hilfreich. Unsere Hidden Champions sind so hidden, dass sie selbst im eigenen Bundesland kaum jemand kennt. Und unsere Topkonzerne residieren nicht in gläsernen Türmen über der Landeshauptstadt, sondern in den Industriegebieten von Salzgitter, Holzminden, Einbeck oder Spelle. Das ist zwar gut für die regionale Wertschöpfung, aber schlecht für die Skyline.

Kürzlich durften die Leser der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ einen neuen Slogan für Niedersachsen vorschlagen. Gewonnen hat „Sturmfest und erdverwachsen“ – eine Zeile aus dem Niedersachsen-Lied von 1926. Erwarten Sie also bitte keine Jubelstürme, wenn Sie mit unkonventionellen Ideen um die Ecke kommen.

Ihr Auftrag, sollten Sie ihn annehmen, lautet: Erzählen Sie Niedersachsen so, dass es nach Zukunft klingt, ohne dass wir uns dabei fremd vorkommen. Und lassen Sie Herzog Widukind aus dem Spiel.

Mit freundlichen Grüßen
The Flachländ

Herzog Widukind, Markenbotschafter von Niedersachsen seit 777, erklärt den PR-Experten, worauf es in der neuen Imagekampagne ankommt. | Foto: Link/mit KI generiert

So viel zur Markenstrategie. Kommen wir zu den Themen, die sich unter dem Dach der Dachmarke Niedersachsen gerade abspielen. In der heutigen Rundblick-Ausgabe berichten wir über:

  • Zwischenbilanz zum Schulhalbjahr: Mehr Lehrer, noch mehr Schüler und noch mehr Ansprüche an Schule: Trotzdem steigt die Unterrichtsversorgung, aber nur ein kleines bisschen.


  • Agrarstrukturgesetz: Die Politik soll und will sicherstellen, dass mit Ackerland nicht spekuliert wird. Aber wie soll sichergestellt werden, dass die Flächen in Bauernhand und erschwinglich bleiben?


  • Schwierige Aufarbeitung: Hätten die Behörden im Fall des Irakers A., der im August 2025 mutmaßlich eine 16-Jährige tötete, frühzeitiger handeln können und müssen? Im Landtag werden die Akten geprüft.


  • Rot-Grün überholt Minister: Wird Minister Mohrs jetzt von der Koalition angetrieben? Nicht er, sondern die Regierungsfraktionen legen nun einen Entwurf für die Reform des Hochschulgesetzes vor.

Alle Töchter und Söhne Niedersachsens grüßt
Ihr Christian Wilhelm Link

Dieser Artikel erschien in Ausgabe #014.
Christian Wilhelm Link
AutorChristian Wilhelm Link

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