17. März 2026 · 
NotizWirtschaft

Neue Plattform: Industrie trifft Medizin

Niedersachsenmetall lud Gesundheitsexperten und Fachleute aus klassischen Industrien ein, Potenziale zur Zusammenarbeit auszuloten.

„Wir würden es begrüßen, wenn sich in der Umgebung mehr Industrie und Startups ansiedeln würden“, sagte Prof. Denise Hilfiker-Kleiner, die Präsidentin der Medizinischen Hochschule Hannover, beim ersten Medizintechnik-Kongress für Niedersachsen. „Die Medizin der Zukunft schaffen wir nur gemeinsam mit der Industrie – also mit Ihnen.“ Der Arbeitgeberverband Niedersachsenmetall lud zum ersten Mal zu der branchenübergreifenden Plattform nach Hannover ein. „Ziel des neuen Formats ist es, Unternehmen aus Medizintechnik, Industrie und Forschung zu vernetzen und neue Geschäftsfelder sichtbar zu machen“, sagt Volker Schmidt, Hauptgeschäftsführer von Niedersachsenmetall. „Besonders im Fokus steht die Frage, wie durch Kooperationen zwischen klassischen Industrien wie Automotive und der Med-Tech-Branche konkrete Innovationen entstehen können.“ Bisher sei die Zahl der Ausgründungen aus der MHH im Bereich Life Science überschaubar, erklärte Hilfiker-Kleiner. „Aber die, die da sind, bleiben auch auf dem Markt.“ Ein Startup wurde von dem dänischen Pharmaunternehmen Novo Nordisk übernommen. Der emeritierte Hochschullehrer und Herzspezialist Prof. Axel Haverich gehört zu denen, die mit Partnern eine Gründung gewagt haben: Seit fast zwanzig Jahren produziert das Unternehmen Cortiss „mitwachsende“ Herzklappen für Kinder. Vor dieser Innovation mussten Kinder, die eine künstliche Herzklappe eingesetzt bekamen, während sie noch im Wachstum waren, alle drei bis vier Jahre wieder operiert werden. Mittlerweile produziert Cortiss 200 Herzklappen pro Jahr. Auf dem Kongress berichtete Haverich von seinen Erfahrungen. In Foren stellten sich innovative Unternehmen vor, beispielsweise die Stüken Gruppe, die vor zehn Jahren den Schritt von der Automotive-Branche in die Medizintechnik gewagt hat. „Schnittstellen entdeckt man nur, wenn man miteinander redet“, kommentiert Haverich. „Dazu leistet der Kongress einen wichtigen Beitrag.“ Schmidt ist überzeugt: "Niedersachsen hat das Potenzial, zu einem der stärksten Medizintechnik-Standorte Deutschlands zu werden."

Dieser Artikel erschien in Ausgabe #052.
Anne Beelte-Altwig
AutorinAnne Beelte-Altwig

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