Wer wahrgenommen werden will, muss sich etwas einfallen lassen. Emmanuel Macron zum Beispiel gilt gemeinhin als lame duck nicht nur in Paris, sondern irgendwie auch in Brüssel oder Washington. Dennoch gelingt es dem französischen Noch-Präsidenten offenbar leichter, einen Termin bei der Spitze der Europäischen Kommission zu ergattern, als Niedersachsens Neu-Ministerpräsidenten Olaf Lies.
Ich tippe auf die supercoole Sonnenbrille, die Macron für Ursula von der Leyen spannender gemacht haben muss als ihr Mit-Niedersachsen aus der hannoverschen Staatskanzlei. Das geplante Treffen in der vergangenen Woche am Rande des legendären Grünkohlessens hat jedenfalls nicht stattgefunden, wie Regierungssprecher Christian Budde am Freitag einräumen musste. Aber man kann ja bestimmt noch mal telefonieren.
Um Aufmerksamkeit buhlen derweil auch die Grünen. Wer dabei den ungewöhnlicheren Weg beschreitet, dürfen Sie sich selbst beantworten. In Niedersachsen planen die Parteichefs Greta Garlichs und Maximilian Strautmann in diesem Jahr eine Zuhör-Kampagne, die den Namen „Über MORGEN reden“ trägt. Man will mit den Menschen ins Gespräch kommen auf dem Marktplatz oder an den Haustüren. Noch klingt das nicht besonders innovativ. Ob die Zusatzinformation, dass dabei auch Fahrrad repariert oder Techniktipps gegeben werden, mehr als die klassische grüne Kernwählerschaft mobilisieren wird, bleibt fraglich.

Aber vielleicht ist das auch gar nicht das Ziel. Denn dafür haben die Grünen ja ihren telegenen Bundesvorsitzenden. Felix Banaszak überraschte kürzlich mit einem Interview an ungewöhnlicher Stelle. Nein, nicht auf dem Pöbelkanal Nius, sondern im legendären Playboy stand der 36-Jährige „zwischen Busen und Bunnys“ (Tagesspiegel) nicht unbedingt seinen Mann, aber Rede und Antwort.
Banaszak verschreibt seiner Partei eine neue Lässigkeit: „Fleisch essen, Verbrenner fahren, Muskeln zeigen, in den Urlaub fliegen – alles kein Problem“, fasst es die Playboy-Redaktion zusammen. „Solange die Richtung stimmt: im Kampf für mehr Feminismus, moderne Männlichkeit, mehr Migration und das Klima der Zukunft.“ Das gesamte Gespräch unter der Überschrift „Sei kein Arschloch!“ können Sie übrigens hier nachlesen – sofern Sie ein entsprechendes Abo haben.
Wenn Sie lieber etwas anderes lesen möchten, habe ich heute diese Themen im Angebot für alle Rundblick-Abonnenten:
Beschreiten Sie in dieser Woche doch einmal neue Wege...
Ihr Niklas Kleinwächter


