11. Juni 2026 · 
TagesKolumne

Na groß-artig!

Kampagne gefloppt? Gar nicht. Jetzt kommt erst der wirklich kreative Teil: die Niedersachsen drehen ihre eigene Landeskampagne weiter.

Nach der Sause kommt der Kater. Niedersachsens Regierungssprecher Christian Budde wirkte ein ganz klein wenig geknickt, als er am Mittwoch in der Landespressekonferenz auf das eher zurückhaltende Echo auf die neue Landeskampagne angesprochen wurde. Befragungen verschiedener Medienhäuser zeichnen das Bild einer Bevölkerung, die nicht unbedingt euphorisch auf den neuen Niedersachsen-Claim reagiert hat. Frei assoziiert: Das ist groß? Das ist gähn!

Doch ein Budde lässt sich davon nicht entmutigen. Man müsse den Spruch nur in den richtigen Kontext stellen, dann könne sich daraus etwas richtig Gutes entwickeln, sagte er und verwies auf die Sportjugend Niedersachsen, die das Ganze schon weitergedreht habe. Die Jungsportler haben kurzerhand das „groß“ gestrichen und durch „Sport“ ersetzt – und durch Begriffe wie spektakulär (beim Basketball), eiskalt (beim Eishockey), nass (beim Schwimmen) oder goldig (beim Medaillenfeiern).

Ganz groß weitergedreht. | Foto: Instagram (2); Link

Auf eine ähnliche Idee kam auch die DGB-Jugend und strich das „groß“ aus vielen Sätzen raus. Für die Junggewerkschafter ist beispielsweise die faire Ausbildung nicht groß, sondern wichtig. Mieten, die nicht explodieren, sind für sie nicht groß, aber bezahlbar. Und flächendeckender ÖPNV nicht groß, sondern verlässlich.

Landtagssprecherin Anne-Ly Do konnte für ihr Haus ebenfalls einen Weiterdreh vermelden. Dort hat man sich allerdings für eine konstruktivere Variante entschieden und das große gesucht statt gestrichen. Auf Instagram und Co. präsentiert das Social-Media-Team des Landtags alles, was am Parlament groß ist: die Portikussäulen, die Eingangstüren, den Plenarsaal, das stilisierte Landeswappen … im Landtag ist nämlich irgendwie alles groß.

Ganz viel Zeit, um sich diese ganzen Social-Media-Reaktionen in Ruhe anzuschauen, hatten an diesem Mittwoch die Mitarbeiter der niedersächsischen Justiz. Ein Bagger hat wohl zu tief geschaufelt und dadurch ein wichtiges Kabel beschädigt. Seit den frühen Morgenstunden ging (fast) nichts mehr. Bis Redaktionsschluss dauerten die Reparaturarbeiten an. Wie es dazu kommen konnte und weshalb es (noch) keine Ersatzleitung zum zentralen Rechenzentrum gibt, lesen Sie gleich im Rundblick. Hier kommt die Übersicht:

  • Justiz: Weil ein einziges Kabel beschädigt wurde, war fast die komplette Justiz in Niedersachsen am Mittwoch lahmgelegt. Das zeigt, wie verletzbar die gegenwärtige Infrastruktur noch ist.


  • Medien: Wird es 2030 noch Medienvielfalt in Niedersachsen geben? Bei den Unternehmerverbänden beklagten Medienmacher die Konkurrenz der Tech-Giganten und forderten eine Digitalabgabe.


  • Finanzen: Im Jahresbericht prangert der Rechnungshof viele Fehlentwicklungen an. Mehrere Hochschulpräsidenten etwa haben zu viel Geld bekommen, außerdem wird der Finanzminister kritisiert.


  • Personen und Positionen: Prof. Jörg Abbing, Annette Schönig, Prof. Katja Koch.

Haben Sie einen großartigen Donnerstag!

Ihr Niklas Kleinwächter

Dieser Artikel erschien in Ausgabe #107.
Niklas Kleinwächter
AutorNiklas Kleinwächter

Artikel teilen

Teilen via Facebook
Teilen via LinkedIn
Teilen via X
Teilen via E-Mail
Na groß-artig!