
Torsten Muscharski, Verhandlungsführer der Arbeitgeber im Tarifstreit in der Metall- und Elektroindustrie, hat die geforderte Lohnerhöhung der IG Metall auch in der zweiten Verhandlungsrunde zurückgewiesen. „Unsere Betriebe haben derzeit mit einer Häufung von Krisen zu kämpfen. Eine Lohnerhöhung um die von der IG Metall geforderten
acht Prozent würde zahlreiche Unternehmen finanziell überfordern“, warnte der Volvo-Manager am Dienstag in Hannover. Das Produktionsniveau in der Branche liege noch immer zwölf Prozent unter dem Niveau vor der Coronakrise. Hinzu kämen die Energiekrise und sich verschärfende Knappheiten bei Rohstoffen und Vormaterialien.
„Durch die seit nunmehr zwei Jahren gestörten Lieferketten haben viele Unternehmen die Lagerhaltung extrem hochgefahren, um überhaupt lieferfähig zu bleiben. Aufgrund der damit verbundenen hohen Kapitalbindung geraten viele von ihnen nun in Zahlungsschwierigkeiten“, ergänzte Volker Schmidt. Der Hauptgeschäftsführer von Niedersachsen-Metall verwies auf eine kürzlich unter den Mitgliedsunternehmen durchgeführte Umfrage, nach der in mehr als 60 Prozent der Betriebe die Auftragsbestände in den vergangenen Wochen deutlich wegbrechen. Die Arbeitgeber fordern deswegen einen Tarifabschluss, mit dem sowohl die kriselnden Metallunternehmen, als auch die Betriebe in der Elektroindustrie leben können, denen es tendenziell besser geht. „Wir brauchen Tarifverträge, die flexibler sind, um die großen Unterschiedlichkeiten in der Branche abzufedern“, sagte Muscharski und fügte hinzu: „Unternehmen, die bereits mit dem Rücken zur Wand stehen, sollten nicht noch über Gebühr belastet werden.“ Dagegen müsse es Betrieben, deren wirtschaftliche Lage es zulässt, auch möglich sein, ihre Angestellten finanziell am Unternehmenserfolg zu beteiligen. Diesen Aspekt habe die IG Metall aber „vom Tisch gewischt“.
Die Gewerkschaftler zeigen sich zunehmend ungeduldiger. „Statt Lösungen zu präsentieren, wie die Beschäftigten mit den exorbitanten Preissteigerungen zurechtkommen sollen, stehlen sich die Unternehmer aus der Verantwortung und delegieren diese an die Arbeitnehmer“, kommentierte Arbeitnehmer-Verhandlungsführer Thorsten Gröger die zweite Verhandlungsrunde. Der IG Metall-Bezirksleiter wies ausdrücklich auf die auslaufende Friedenspflicht hin. „Ab Mitternacht (00.01 Uhr) sind am 29. Oktober Warnstreiks nun sehr wahrscheinlich. Dies ist keine Ultima Ratio, sondern erscheint inzwischen als zwingend notwendiges Mittel, um die Arbeitgeber am Verhandlungstisch zu einer Regung zu bewegen“, drohte Gröger. Die Metaller seien bereit, „auf die Barrikaden zu gehen“.


