Massive Mängel in der JVA Celle begünstigten die Flucht eines gefährlichen Straftäters
Es hat eine ganze Serie an Pannen in der JVA Celle gegeben, bevor der verurteilte Mörder F. fliehen konnte. Justizministerin Wahlmann verspricht eine intensive Aufarbeitung.
Es hat eine ganze Serie an Pannen in der JVA Celle gegeben, bevor der verurteilte Mörder F. fliehen konnte. Justizministerin Wahlmann verspricht eine intensive Aufarbeitung.
Justizministerin Wahlmann (von links), JVA-Leiterin Maike Pucks und Jens Kozik vom Innenministerium als Berichterstatter im Strafvollzugsausschuss des Landtags. | Foto: Wallbaum
Im Fall des verurteilten Mörders Benjamin F., der am 16. Juni bei einem Ausgang geflüchtet war, sind massive Mängel in der Arbeit der Justizvollzugsanstalt Celle bekannt geworden. Das geht aus einem Bericht von Justizministerin Kathrin Wahlmann (SPD) und der Anstaltsleiterin Maike Pucks hervor. Beide trugen am Donnerstag im Landtagsausschuss für Strafvollzug vor. Wahlmann kündigte weitere Untersuchungen an und schloss auch Konsequenzen nicht aus. Die JVA habe für sich bereits einige Verfahrensweisen beendet und Mängel abgestellt.
F. hatte 2010 die damals 23-jährige Melanie R. aus Peine ermordet. Er wurde zu lebenslanger Haft verurteilt, die besondere Schwere der Schuld wurde festgestellt. Wie Wahlmann im Ausschuss berichtete, war F. zwischen 2021 und 2024 in der Haftanstalt Wolfenbüttel untergebracht, wo er eine intensive Therapie absolvieren sollte. Diese sei über 39 Monate gelaufen, dann aber auf Betreiben der Therapeuten beendet worden. Wie Pucks berichtete, sei der Behandlungserfolg „schwankend“ gewesen. Die Therapeuten hätten zwar die Fluchtgefahr verneint, nicht aber die Gefahr, dass von F. weitere Straftaten ausgehen könnten. Trotzdem entschied die JVA Celle, in die F. dann Ende 2024 zurückkehrte, dem Gefangenen umfangreiche Lockerungen zukommen zu lassen. Er durfte zwischen Ende 2023 und Juni 2026 insgesamt 38mal die Anstalt verlassen, ein Begleiter war nur zu seiner Unterstützung eingeteilt, nicht aber zur Bewachung. Dieser Begleiter musste auch nicht ständig an seiner Seite sein. Den 38. Ausgang nutzte F. zur Flucht mit einem Motorrad, das sich in der Garage seiner Mutter befand. Der ihn zur Seite gestellte JVA-Bedienstete hatte ihn allein dort hingehen lassen.
Im Ausschuss hakten Christian Calderone und Martina Machulla von der CDU nach, wie es sein könne, dass ein gefährlicher Straftäter, dessen mangelnde Therapiefähigkeit aktuell 2024 noch mal attestiert wurde, gleichwohl zur gleichen Zeit ohne Aufsicht in Freiheit kommen konnte. Das könnte an massiven Mängeln liegen, die bei der Überprüfung des Falls bekannt geworden sind: