Wo ein deutsches LNG-Terminal irgendwann einmal stehen wird, ist dabei noch vollkommen offen. Angesprochen auf Meldungen, nach denen Brunsbüttel in Schleswig-Holstein angeblich die Nase ein wenig vorn habe, winken nahezu alle Experten ab. Dort werde nur lauter geklappert als an anderen möglichen Standorten. Das werde aber keinen Einfluss auf die endgültige Entscheidung haben. „Am Ende wird kein Investor kommen, weil ein Standort dreimal mehr in der Zeitung stand. Es wird sich das beste Konzept durchsetzen“, betont Umweltminister Lies. Ist es ein Nachteil, dass Schleswig-Holstein sich auf einen Standort konzentriert, während Niedersachsen mit Stade und Wilhelmshaven gleich zwei Standorte im Rennen hat? Für Ferlemann spielt das keine Rolle, und Lies meint, gegenüber Brunsbüttel hätten beide niedersächsischen Standorte Vorteile. Klar ist dem Umweltminister zufolge aber auch: am Ende werde es in Berlin nicht zwei Anträge aus Niedersachsen geben. „Wir haben zwei Eisen im Feuer, die beide mindestens schon einmal warm sind. Jetzt schauen wir, welches am Ende durchgeglüht und geschmiedet werden kann“, so Lies. Oliver Grundmann, CDU-Bundestagsabgeordneter aus Stade und Vorsitzender des Arbeitskreises Küste in der Unions-Bundestagsfraktion mahnt allerdings an, dass alle möglichen Terminal-Standorte auf der Bundesebene sichtbar sein sollten. Er fände es auch sinnvoll, wenn sich die Landesregierung zügig auf einen der beiden niedersächsischen Standorte festlegen würde.
Welcher niedersächsische Standort nun geeigneter ist, daran scheiden sich nach wie vor die Geister. Die Tendenz geht zumindest derzeit leicht in Richtung Stade. Dort gibt es mit dem Chemieriesen Dow Chemical nicht nur einen willigen und finanzstarken Investor. Das Unternehmen könnte noch das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden. Angenehm wäre es, mit einem solchen Terminal irgendwann einmal Geld zu verdienen. Nützlich wäre es, es auch für Teile des eigenen Energiebedarfs zu verwenden. Die Projektentwicklungsgesellschaft hat schon Absichtserklärungen unterschrieben. Die Macquarie Gruppe soll die Finanzierung, China Harbour wiederum mögliche Bauleistungen prüfen. Ferlemann attestiert den Stadern, sehr professionell und engagiert vorzugehen.
Aber auch Wilhelmshaven ist weiter im Rennen. „Ich kann es nicht verleugnen, dass ich gebürtiger Wilhelmshavener bin. Aber am Ende wird sich die Standortfrage durch die Bedingungen vor Ort klären. Das wird eine wirtschaftliche Entscheidung“, sagt Lies. Auch Grundmann hält es für wichtig, dass ergebnisoffen nach objektiven Kriterien entschieden wird. Lies sieht allerdings in Wilhelmshaven einen Kompetenzvorsprung, weil man sich dort bereits seit vierzig Jahren mit dem Thema befasse. „Vor zwei Jahren war Stade noch gar nicht im Spiel.“ In Wilhelmshaven würden derzeit Alternativen zu einem stationären System geprüft. Ein variables System hätte den Vorteil niedrigerer Investitionen. Weitere Vorteile seien die direkte Anbindung über die Nordsee und ein älteres Kohlekraftwerk vor Ort, welches sich auch als Gaskraftwerk eignen würde.
Nicht allein die künftige Treibstoffversorgung für Schiffe, sondern vor allem auch die Energiefrage dürfte beim Bau eines LNG-Terminal eine wesentliche Rolle spielen. Durch die umstrittene Pipeline Nord Stream 2 soll ab Ende kommenden Jahres Gas von Russland nach Deutschland transportiert werden. Nicht nur der stärkere LNG-Import aus den USA, auch die Frage nach der eigenen Unabhängigkeit von Russland wird die Debatte über Diversifikation beim Energiebedarf lauter werden lassen. Befürworter von Stade weisen auf die große, leistungsfähige Erdgasleitung hin, die es am Standort bereits gibt. Eine Leitung, für die Brunsbüttel erst einmal hunderte von Millionen investieren müsste. Ein weiterer Punkt für Niedersachsen in einem Rennen mit offenem Ende, das vielleicht doch noch mehr nach politischen und weniger nach wirtschaftlichen Kriterien entschieden werden könnte. (MB.)

