„Offene Gesellschaft heißt nicht grenzenlose Gesellschaft. Unsere Gesellschaft hat viele sinnvolle Grenzziehungen", sagte Meister im Kloster Loccum. - Foto:[/caption]
Die evangelische Landeskirche hatte am vergangenen Sonnabend traditionell Politiker und Verbandsvertreter zum Neujahrsempfang am Dreikönigstag nach Loccum eingeladen. Neben Meister hielt Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) eine Rede, abschließend dann auch der Abt des Klosters Loccum und frühere Landesbischof Horst Hirschler.
Meister leitete seine Rede, die sich sehr stark mit der Bedeutung von Grenzziehungen beschäftigte, mit einem Zitat seiner 18-jährigen Tochter ein, die die deutsche Schule für Christen und Muslime in der Nähe von Bethlehem besucht hatte. Das Mädchen habe sich gewundert, warum jeder sofort eine feste Position eingenommen habe und diese sofort unverrückbar als die richtige beschrieben habe. Das führe ihn dazu, die beiden Seiten der Grenzen näher zu beleuchten. Einerseits seien diese „als Schutzfrage unserer Kultur“ wichtig. Das verbreitete Vorurteil, das Befürworten von Grenzziehungen schade der offenen Gesellschaft, sei „Unfug“. „Offene Gesellschaft heißt nicht grenzenlose Gesellschaft. Unsere Gesellschaft hat viele sinnvolle Grenzziehungen.“ Da die Gesellschaft sich der Humanität und Gerechtigkeit verpflichtet sehe, beinhalte das auch Grenzen und Sicherheiten.
Meister warnt aber davor, die eigenen Grenzen und Positionen absolut zu setzen und die Fehlbarkeit der eigenen Haltung auszublenden. „Wer seine institutionelle Geschichte sakrosankt setzt, ohne aus eigenen Fehlern zu lernen, leistet keinen Beitrag zur Verteidigung unserer offenen Gesellschaft.“ Außerdem müsse klar sein, dass mit nationalen Grenzziehungen allein „kein Weltproblem, wirklich kein einziges, gelöst werden kann“.


