11. Mai 2026 · 
TagesKolumne

Land im Bund erleben

Die Länder bilden den Bund, nicht umgekehrt. Mit diesem Selbstbewusstsein behaupten sich die Landesfürsten in Berlin. Wir haben einmal zugesehen, wie gut das gelingt.

Haben die das gerade abgelehnt? Die Nachfrage meines Sitznachbarn war so ungläubig wie meine Antwort unsicher. Ich glaube schon, sagte ich und zog jeden Vokal in die Länge, um mir damit Zeit zur Einordnung zu erkaufen. Zugleich zückte ich mein Smartphone, um die Tagesordnung noch einmal zu checken. Der Titel des Antrags lautete „Neuntes Gesetz zur Änderung des Steuerberatungsgesetzes und zur Änderung weiterer steuerrechtlicher Vorschriften“ und ließ somit keine eindeutigen Rückschlüsse auf Details des Inhalts zu. Auch der Antragstext war aus meiner Sicht eher verworren.

Hat die Ablehnung also das zur Folge, was wir auf der Pressetribüne uns gerade alle fragten? Es dauerte nicht lange, bis wir die Antwort auf unseren Smartphones sahen. Da blitzten die Eilmeldungen auf: Bundesrat stoppt 1000-Euro-Prämie für Angestellte. Also doch. Wir waren dabei, und hatten trotzdem unsere Schwierigkeiten, die Dimension des Aktes zu begreifen.

Zu Besuch im Bundesrat. | Foto: Kleinwächter

Politik hat verschiedene Modi. Als Korrespondenten für Landespolitik kennen wir vor allem jene Form, die sich im Landtag darstellt. Das sind gepfefferte Reden, nicht jede gut, nicht jede bedeutsam. Aber worum es geht, wer auf welcher Seite steht und wofür oder wogegen man nun votiert, das wird jedem Beobachter im Verlauf einer öffentlichen Debatte doch ziemlich deutlich. Ganz anders ist Politik im Bundesrat, wo die Länder mitbestimmen, wie die Politik für die gesamte Bundesrepublik aussehen soll. Wir wurden gewarnt: Bundesratssitzungen seien eher öde, kein Schlagabtausch, kein Applaus, Konsensmaschine bei der Arbeit, Politik in seiner bürokratischen Form.

Wir mussten Glück gehabt haben, denn während unseres kurzen Aufenthalts im einstigen Preußischen Herrenhauses erlebten wir vieles. Die Spitzenpolitiker der Länder unter sich, warme Worte und herzlichen Applaus, und eine Rede mit weitreichender Botschaft. Dass es zwischen Bund und Ländern knatscht, konnten wir auf unseren Besucherplätzen deutlich vernehmen, diese Botschaft setzte sich fest: Die Bundesregierung hört nicht auf die Länder, ignoriert sie, beteiligt sie nicht angemessen. Es war die letzte Rede von Winfried Kretschmann (Grüne), dem scheidenden Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg. Eigentlich sprach auch er zu jenem Steuerantrag, der die 1000-Euro-Prämie aufhielt. Sein Wortbeitrag wurde aber zur Grundsatzrede über Föderalismus und Subsidiarität.

Geballte Landespresse-Kompetenz: LPK-Delegation auf Berlin-Fahrt. | Foto: Bundesrat/nkw

Die Landespressekonferenz war auf Stippvisite in Berlin – in der Landesvertretung, dem Bundesrat und dem Bundestag. Nun sind wir mit neuen Eindrücken über den Zustand des politischen Betriebs wieder zurück in Hannover. Klaus Wallbaum hielt derweil die Stellung in der Rundblick-Redaktion und hat diese Themen für Sie aufbereitet:

  • Extremismus: Ist der Islamismus eine Gefahr? Ja, sagt der Verfassungsschutz – und warnt vor neuen Formen, mit denen radikale Prediger seit geraumer Zeit auftreten.


  • Tariftreue: Kommunen und Landesbehörden müssen künftig ihre Vertragspartner um eine Tariftreue-Erklärung bitten. Die Kommunen sehen darin viel Bürokratie – und ein gebrochenes Versprechen.


  • Schuldenbremse: Auf Bundesebene wird geprüft, wie die Vorschriften im Grundgesetz zum Kreditaufnahmeverbot verändert werden sollen. Zwei Niedersachsen sind dabei die entscheidenden Figuren.


  • Personen und Positionen: Melanie Walter, Lutz Brinkmann, Thorsten Kornblum, Carl Heinz Putthoff.

Starten Sie in gutem Modus in die neue Woche!

Ihr Niklas Kleinwächter

Dieser Artikel erschien in Ausgabe #087.
Niklas Kleinwächter
AutorNiklas Kleinwächter

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