24. Apr. 2026 · 
TagesKolumne

Kollektives Gedächtnis

Der TagesKolumnist hat getrübte Erinnerungen an die Ereignisse des Jahres 1986. Sein Chef erinnert sich derweil noch an viele Details.

Als sich in Tschernobyl die Reaktorkatastrophe ereignete, war ich noch nicht auf dieser Welt. 1986 war das Jahr, in dem meine Eltern heirateten. Anfang Mai war das, nur wenige Tage nach den Ereignissen vom 26. April. Bis zu meiner Geburt waren es da noch ein paar Jahre. Und doch meinte ich mich zu erinnern, dass sich die Unsicherheit dieser Zeit auch auf die Vorbereitungen der Hochzeitsfeier meiner Eltern ausgewirkt hätte. Dürfen Pilze in die Suppe oder den Salat?

Angekratzte Erinnerungen. | Symbol-Foto: Mariia Demchenko via Getty Images

Ich erkundigte mich noch einmal bei meiner Mutter: War das damals so? Und wie habt ihr diese Zeit ansonsten so erlebt? Es scheint, als habe ich ein wenig halluziniert. „Zu unserer Hochzeit waren wir noch recht ahnungslos“, berichtete mir meine Mutter nun. Aber eine Freundin habe ihr gerade erzählt, dass sie kurz danach zur Mutter-Kind-Kur auf Norderney gewesen sei und nicht an den Strand gedurft habe.

Meine Mutter meinte, ich hätte da wohl etwas durcheinandergebracht. Denn als wir die Silberhochzeit meiner Eltern planten, ging gerade der Ehec-Erreger um. Und wir fragten uns: Dürfen Gurken oder Sprossen in den Salat? Das war übrigens im Jahr 2011 – in jenem Jahr also, als in Fukushima ein Kernkraftwerk havarierte. Kurz darauf wurde in Baden-Württemberg erstmals ein Grüner zum Ministerpräsidenten gewählt. Daran zumindest kann ich mich noch recht gut erinnern.

Doch mit meinen Erinnerungen an die Hochzeitsvorbereitungen im Jahr 1986 lag ich wohl daneben. So ist das eben mit dem kollektiven Gedächtnis: Man kann sich täuschen – vor allem dann, wenn man selbst in keiner Weise dabei gewesen ist. Klaus Wallbaum derweil ist Zeitzeuge, nicht der Hochzeit meiner Eltern, aber der Ereignisse in jenem Jahr. Heute beschreibt er im Rundblick, wie die Reaktorkatastrophe in der heutigen Ukraine ihren Schatten auf die damalige Landtagswahl in Niedersachsen warf.



Ganz aktuelle Bedrohungslagen waren unterdessen Thema beim zweiten „sicherheitspolitischen Dialog der Landesregierung“. Auch darum soll es heute gehen. Hier einmal all unsere Themen in der Übersicht:

  • Sicherheit: Beim „sicherheitspolitischen Dialog“ der Landesregierung warnt Innenministerin Behrens vor hybrider Kriegsführung und appelliert an die Bevölkerung, sich für Ausfälle zu wappnen.


  • Disziplinarrecht: Sollen die Dienststellen selbst Beamte maßregeln und sogar entlassen können, wenn Zweifel an deren Verfassungstreue besteht? Rot-Grün will diesen Plan trotz Kritik durchsetzen.


  • Katastrophe: Weltpolitische Ereignisse schlagen manchmal auf die Landespolitik durch. Der Brand im Reaktor in Tschernobyl gehört dazu – er prägte den Ausgang einer Landtagswahl.


  • Inklusion: Kosten der Kommunen sinken erst, wenn die Eingliederungshilfe unbürokratischer gestaltet und die Inklusion richtig umgesetzt wird, meint die Konferenz der Behindertenbeauftragten.


  • Personen und Positionen: Anne Kura, Dirk-Ulrich Mende, Grant Hendrik Tonne, Julia Hamburg.

Schwelgen Sie gern in Erinnerungen an vergangene Ereignisse aber wollen ihrem Erinnerungsvermögen noch einmal auf die Sprünge helfen? Dann durchstöbern Sie doch mal unser Rundblick-Archiv – viel Vergnügen!

Starten Sie gut ins Wochenende!

Ihr Niklas Kleinwächter

Dieser Artikel erschien in Ausgabe #077.
Niklas Kleinwächter
AutorNiklas Kleinwächter

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