Niedersachsen macht sich auf den Weg, die Krankenhauslandschaft zu reformieren und profitiert dabei auch von Erkenntnissen aus der Corona-Krise. „Wir haben zu viele Betten und zu wenig Personal. Das geht zulasten der stationären Versorgung“, sagte der SPD-Sozialpolitiker Uwe Schwarz am Donnerstag im Landtag in der Debatte um die Zukunft der Krankenhausversorgung.
Zwar sei der Anteil mit sechs Klinikbetten auf 1000 Einwohner doppelt so hoch wie der OECD-Mittelwert. Zugleich sei man aber bei der Zahl der Ärzte und Pflegepersonal nur Durchschnitt. Zugleich hätten in der Corona-Krise von den insgesamt 168 Kliniken im Land nur 67 Krankenhäuser insgesamt 94 Prozent der Corona-Patienten versorgt. Ein Drittel habe sich an der Versorgung gar nicht beteiligt. Corona habe zudem deutlich gemacht, dass Pandemien weder in der Krankenhausplanung noch in der Bauplanung bisher berücksichtigt worden seien, sagte der SPD-Politiker. Patienten müssen räumlich getrennt werden können, benötigt würden auch vernünftige und stringente Hygienekonzepte.
Es wird mehr Spezialisierungen geben – ob uns das gefällt oder nicht. Wir brauchen deshalb eine Stärkung der Grundversorgung in der Fläche.
Die Große Koalition macht sich jetzt auf den Weg, die Gesundheitsversorgung im Land zu erneuern. Dazu wurden im Landtag zwei Anträge zum ersten Mal beraten, deren Inhalte sich auf die Ergebnisse der zweijährigen Arbeit der Enquetekommission Gesundheit beziehen. „Wir brauchen besser ausgestattete und leistungsfähigere Krankenhäuser“, sagte die CDU-Abgeordnete Petra Joumaah. Die Grundversorgung müsse für alle Menschen im Land gut erreichbar sein, spezielle Versorgungsleistungen sollten stärker konzentriert werden. Die Pläne von SPD und CDU sehen vor, die knapp 170 Krankenhäuser in drei Versorgungsstufen zu unterteilen: in Grund-, Schwerpunkt- und Maximalversorger.
Regionale Gesundheitszentren können dort entstehen, wo sich kleine Krankenhäuser nicht halten lassen. In den Zentren können Fachärzte unter einem Dach arbeiten und eine stationäre Versorgung anbieten. Statt in vier soll das Land in acht Versorgungsregionen aufgeteilt werden, um gezielter planen zu können. „Es wird mehr Spezialisierungen geben – ob uns das gefällt oder nicht. Wir brauchen deshalb eine Stärkung der Grundversorgung in der Fläche“, erklärte Uwe Schwarz. Anstelle von zwei soll es künftig sieben Maximalversorger im Land geben. Anstelle von „angstauslösenden Schließungsdebatten“ wolle man mit den regionalen Versorgungszentren neue Wege beschreiten. Diese sollten 24 Stunden am Tag und sieben Tage pro Woche erreichbar sein.
Wir brauchen jährlich 520 Millionen Euro, das haben uns auch Krankenhausgesellschaft und kommunale Spitzenverbände sehr deutlich ins Stammbuch geschrieben.
Die Pläne der Koalition sehen auch vor, die Krankenhausplanung länderübergreifend auszubauen – der Blick richtet sich dabei auf Nordrhein-Westfalen, Bremen und Hamburg. Die Grünen-Sozialpolitikerin Meta Janssen-Kucz fragte sich allerdings, warum Hessen bei den Planungen nicht ebenfalls einbezogen werden soll. Darüber hinaus plädierte die Grünen-Politikerin für eine auskömmliche Finanzierung. „Wir brauchen jährlich 520 Millionen Euro, das haben uns auch Krankenhausgesellschaft und kommunale Spitzenverbände sehr deutlich ins Stammbuch geschrieben“, sagte Janssen-Kucz. In Bezug auf Corona forderte sie, sich stille Bettenkapazitäten und die Rolle der Reha-Kliniken in einer Pandemie noch einmal genau anschauen.
Die FDP-Abgeordnete Susanne Schütz sieht das fehlende Personal als größtes Problem. Deshalb müsse das vorhandene Personal effektiv und schonend eingesetzt werden. An der Trennung zwischen guter Grundversorgung und spezialisierten Klinken führt für Schütz kein Weg vorbei. „Es ergibt Sinn, nicht jede Leistung an jedem Ort zu erbringen. Eine gute Grundversorgung kann wohnortnah erbracht werden. Wenn es kompliziert wird, werden sich Menschen auf einen längeren Weg machen, wenn sie wissen, dass sie dort gut versorgt werden“, so Schütz.


