(rb) Hannover. VW kommt aus den negativen Schlagzeilen nicht heraus. Ministerpräsident und VW-Aufsichtsrat Stephan Weil bemühte sich am Mittwoch in einer Unterrichtung des Landtags, die Flut von Meldungen zu ordnen, die sich aus seiner Sicht aus einer Mischung von bloßen Spekulationen, Indiskretionen, Wahrheiten und Halbwahrheiten zusammensetze. Dabei befand sich Weil im Dilemma der Informationspflicht des Regierungschefs, der gleichzeitig an die Vertraulichkeit innerhalb des VW-Aufsichtsrates gebunden ist, und konnte daher den öffentlich bekannten Erkenntnissen nur wenig Neues hinzufügen. Immerhin konnte Weil bestätigen, dass ein von den Beschäftigten und der Öffentlichkeit besonders schwer verdaulicher Brocken, die Erfolgsboni für Mitglieder des VW-Vorstands, zumindest etwas verträglicher wird. Ganz verzichten mag man in der Chefetage auf die vertraglich vereinbarten Sonderzahlungen nicht; die Rede ist von einer Reduzierung um ein Drittel. Auch der Ministerpräsident gehört zu den Kritikern dieser Zahlungen in einer Zeit, in der den Beschäftigten des Unternehmens, den VW-Standortkommunen, den Kunden und auch den mit Volkswagen verbundenen Zulieferbetrieben einiges zugemutet wird. Einig waren sich alle Fraktionen im Landtag, dass das Gebot der Stunde der vollständige Verzicht auf die Boni sein muss. Selbst Landtagspräsident Bernd Busemann bezeichnete diese Zahlungen in einem Zeitungsinterview angesichts bedrohter und bereits verlorengegangener Arbeitsplätze als deplatziert. Sorgen bereitet es Weil und auch Wirtschaftsminister Olaf Lies, ebenfalls Mitglied im VW-Aufsichtsrat, dass die schwierige Situation, in der sich der größte Arbeitgeber in Niedersachsen derzeit befindet, zum parteipolitischen Spielball missbraucht werden könnte. Dieser Vorwurf zielte insbesondere auf den früheren Wirtschaftsminister und VW-Aufsichtsrat Jörg Bode. Der FDP-Politiker hatte im Landtag angesichts der Abgasaffäre, die wohl als „Dieselgate“ in die Geschichte des Konzerns eingehen wird, dem Unternehmen als Ganzes mehr oder weniger direkt vorgeworfen, seine Boni auf der Grundlage von Gewinnen zu verteilen, die durch Betrug zustande gekommen sind. Auch dessen Vorhalt, die Landesregierung lege trotz der angespannten Lage die Hände in den Schoß, kam nicht gut an. „Kein Tag ohne VW“, sagte Lies im Landtag. Aber er und der Ministerpräsident machten daraus kein tägliches öffentliches Schauspiel. Was Volkswagen jetzt nötig habe, auch darin waren sich die Fraktionen grundsätzlich einig, sei die Solidarität mit dem Unternehmen und seinen Beschäftigten, die es in allen Krisen unter allen Landesregierung auch immer gehabt habe.Dieser Artikel erschien in Ausgabe #72.