24. Jan. 2019
Wirtschaft

Joachim Knuth soll an die NDR-Spitze rücken

Wenn der Verwaltungsrat des NDR heute zusammentritt, steht ein wichtiger Punkt auf der Tagesordnung: der Vorschlag für die Wahl des stellvertretenden Intendanten. Eigentlich ist die Position der Nummer zwei im Sender nicht aufsehenerregend, in diesem Fall aber könnte damit eine Weichenstellung verknüpft sein. Maßgebliche Kräfte in den NDR-Gremien möchten den Kandidaten, der nun zunächst der Vize werden soll, mittelfristig an der Spitze des Senders installieren. Es geht um Joachim Knuth (59), bisher als Hörfunkdirektor einer der neun herausragenden Figuren in der Direktion und der Leitung der Landesfunkhäuser. Es wird damit gerechnet, dass die klare Mehrheit des Verwaltungsrates die Wahl von Knuth empfehlen wird. Die Entscheidung fällt dann im Rundfunkrat, dessen nächste Sitzung am 1. Februar sein wird. Bisher ist die Wahl des Vize-Intendanten dort noch nicht auf der Tagesordnung vermerkt. [caption id="attachment_37901" align="aligncenter" width="780"] Hat mittelfristig Chancen auf den Posten des NDR-Intendanten: Joachim Knuth - Foto: NDR[/caption] Im NDR ist es ein offenes Geheimnis, dass die jetzige Kür des neuen Vize-Intendanten nur ein Zwischenschritt zur Regelung der Intendanten-Nachfolge ist. Lutz Marmor, der im April 65 wird, steht seit elf Jahren an der Spitze des NDR. Im vergangenen Jahr war wiederholt spekuliert worden, der Intendant könne die im kommenden Jahr auslaufende Amtszeit noch etwas verlängern, doch das deutet sich momentan nicht an. So ist wahrscheinlich, dass im Sommer dieses Jahres der Verwaltungsrat erneut zusammenkommen wird, um einen Vorschlag für die Intendanten-Nachfolge zu benennen – und kurz darauf dürfte dann der Rundfunkrat gefordert sein, die Wahl zu treffen. Manches deutet derzeit darauf hin, dass Knuth dann zum neuen Intendanten und Marmor-Nachfolger empfohlen wird. Obwohl Knuth dann 60 Jahre alt sein wird, dürfte er dieses Amt im Fall seiner Wahl noch rund fünf Jahre ausüben können, heißt es. Er wäre also keine „Übergangslösung“. Dem gebürtigen Kieler, der Politik, Kommunikationswissenschaft und Geschichte in München und Austin (Texas) studiert hat und seit 1985 in verschiedenen Funktionen im NDR (unter anderem journalistisch) tätig ist, wird eine breite Mehrheit zugetraut. Er gilt in allen Lagern der NDR-Gremien, den Schwarzen, den Roten und den Grünen, als durchsetzbar und akzeptiert.

Gesucht wird immer noch eine Frau für den Posten

Trotzdem ist der Aufstieg von Knuth ganz an die Spitze des NDR kein Selbstläufer. Über Monate hinweg hatte der NDR versucht, eine Frau für eine Spitzenfunktion im Sender zu finden. Immer wieder wurde die derzeitige RBB-Intendantin Patricia Schlesinger (57) genannt, die aus Hannover stammt und jüngst öffentlich eine Bilanz ihrer zweieinhalbjährigen Arbeit in Potsdam zog. Das war für manche der Hinweis, dass sie womöglich doch zu einem Wechsel zum NDR bereit sein könnte. Verdichtet haben sich diese Überlegungen bisher aber nicht. Dass jetzt der Posten des Vize-Intendanten des NDR frei wird, hängt mit dem bevorstehenden Ruhestand von Niedersachsens Landesfunkhauschef Arno Beyer zusammen, am 1. Juli folgt ihm Andrea Lütke, die bisherige Fernsehchefin des NDR-Funkhauses Hannover. Beyer war bisher in Personalunion auch Vize-Intendant, diese Verknüpfung beider Positionen soll jetzt enden.
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In den NDR-Gremien gibt es offenbar mindestens zwei Strategien. Die einen meinen, Knuth könne erst Vize-Intendant werden und im Sommer dann zum Intendanten gewählt werden, sodass er Anfang 2020 die Marmor-Nachfolge antreten könnte. Das wäre dann der Zeitpunkt, an dem eine Nachfolgerin für Knuth als Vize-Intendant präsentiert werden muss – und dies sollte dann eine Frau werden. Die andere Linie wirbt für eine Frau als neue Intendantin, die aber schon bis Mitte dieses Jahres gefunden sein müsste. Ob man dafür eine geeignete und bereitwillige Bewerberin finden könnte, ist aber bislang völlig unklar.
Dieser Artikel erschien in Ausgabe #015.
Martin Brüning
AutorMartin Brüning