14. Nov. 2019
Wirtschaft

IT-Sicherheit wird für Unternehmen in Niedersachsen immer wichtiger

Die IT-Sicherheit wird für Unternehmen eine immer größere Herausforderung. Das wurde am Donnerstag beim Industrie-4.0-Kongress der Verbands Niedersachsenmetall und des niedersächsischen Wirtschaftsministeriums in Hannover deutlich. Jens Harde, Geschäftsführer des Luftfahrt-Zulieferers Arconic in Hildesheim, sprach von einem schwierigen Thema. „Inzwischen verschlingen die IT und die IT-Sicherheit im Konzern immense Summen, die erst einmal wieder erwirtschaftet werden müssen“, berichtete Harde. [caption id="attachment_45245" align="alignnone" width="780"] Philipp Kalweit (19) ist Auftragshacker und erklärt, der Wirtschaft, wie IT-Sicherheit funktioniert. - Foto: MB.[/caption] Zugleich sei klar, dass das Thema weiter vorangetrieben werden müsse, zumal man in der digitalen Kommunikation zwischen den Maschinen erst am Anfang der Entwicklung stehe. Im Unternehmen gebe es in Bezug auf IT-Sicherheit sehr große Restriktionen. Im Jahr 2017 habe es an einem Tag 250 Hackerangriffe auf das Unternehmen gegeben. Daher dürfe man sich nicht wie Kinder die Augen zuhalten und denken, dass dann schon alles in Ordnung sei.
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Auf der Veranstaltung war auch Philipp Kalweit, 19-jähriger Unternehmer, der in Hamburg ein erfolgreiches Startup aufgebaut hat. Kalweit ist Auftragshacker, das bedeutet, er dringt im Auftrag von Unternehmen in deren IT ein, um die Sicherheit zu prüfen. Kalweit sieht derzeit eine Tendenz dazu, dass das Thema IT-Sicherheit bei Unternehmen relevanter wird. Aktuell bewertet er den Zustand in vielen Branchen allerdings als sehr schlecht, selbst bei den Banken, die auf Sicherheit stark angewiesen sind, sieht der Jungunternehmer große Probleme. Dabei gebe es in den Unternehmen viele Hürden, um die Sicherheit zu verbessern. Fehlende Erfahrungswerte, fehlendes Budget und fehlende Relevanz zählt Kalweit auf. Als Negativ-Beispiele nannte er den Juwelier Wempe, der in diesem Jahr Opfer einer Cyber-Erpressung wurde. Die Täter hatten das Computersystem des weltweit tätigen Unternehmens blockiert, so dass die Mitarbeiter keinen Zugriff mehr darauf hatten. Medienberichten zufolge soll Wempe ein Lösegeld bezahlt haben. Als weiteres Beispiel nannte Kalweit den Fall einer Biogasanlage, die plötzlich aus dem öffentlichen Internet gesteuert werden konnte. Der Auftragshacker gab den Unternehmern in der Veranstaltung einen wichtigen Rat mit auf den Weg: 52 Prozent der IT-Sicherheitskräfte wüssten nicht, wie sie bei einem Sicherheitsvorfall vorgehen müssten. Man müsse deshalb nicht nur die IT sichern, sondern die gesamte Organisation, dürfe also auch die Menschen in den Unternehmen nicht vergessen.

Wir müssen uns nur anschauen, wie wir privat mit den neuen Technologien umgehen. Uns fehlt die Kompetenz, viele Dinge sind uns egal.


Die Menschen sind auch für Niedersachsens Digital-Staatssekretär Stefan Muhle Teil des Sicherheitsproblems. „Wir müssen uns nur anschauen, wie wir privat mit den neuen Technologien umgehen. Uns fehlt die Kompetenz, viele Dinge sind uns egal“, sagte Muhle. Es sei erstaunlich, dass viele ihre Mietverträge oder Verträge beim Autokauf ganz genau lesen würden, auf dem Handy aber ohne genau hinzusehen mit einem Klick wichtige Datenschutz-Entscheidungen träfen. Umso wichtiger sei es, dass das Thema IT-Sicherheit immer wieder in den Betrieben thematisiert werde.

Der Schutz vor Cyberangriffen ist in Zeiten der zunehmenden Vernetzung eine große Herausforderung, die den gesamten Industriestandort betreffen wird.


Auch Wirtschaftsminister Bernd Althusmann mahnte, die Datenflut ziehe automatisch Fragen der Cyberkriminalität nach sich. „Der Schutz vor Cyberangriffen ist in Zeiten der zunehmenden Vernetzung eine große Herausforderung, die den gesamten Industriestandort betreffen wird.“ Niedersachsenmetall-Hauptgeschäftsführer Volker Schmidt rief trotz der technischen Herausforderungen rund um die IT-Sicherheit zu Optimismus auf. Er sieht eine große Innovationskraft bei den niedersächsischen Unternehmen. „Es gibt hier sehr viele Unternehmen, die an Produkten und Lösungen für die Welt von morgen und übermorgen arbeiten. Wir schaffen eine Vielzahl hochwettbewerbsfähiger Produkte, die die Arbeit der Zukunft maßgeblich beeinflussen werden.“
Dieser Artikel erschien in Ausgabe #202.
Niklas Kleinwächter
AutorNiklas Kleinwächter