Untätig, aber teuer: „Energos Force“ liegt am LNG-Terminal Stade. | Foto: DET

Bei der Deutschen Umwelthilfe (DUH) ist die Schadenfreude groß: In Stade droht das bei Umweltschützern verhasste LNG-Terminal zum Fehlschlag zu werden. DUH-Geschäftsführer Sascha Müller-Kraenner bezeichnete die Inbetriebnahme gestern als „gescheitert“. „Damit wurde von Bund und dem Land Niedersachsen ein dreistelliger Millionenbetrag in den Sand gesetzt“, kritisierte Müller-Kraenner und sprach von einem Fall für den Bundesrechnungshof. Hintergrund ist ein Vertragsstreit zwischen der Hanseatic Energy Hub (HEH), die den Anleger für den Flüssiggas-Import in Stade gebaut hat, und der bundeseigenen Deutschen Energy Terminal (DET), die das Terminal betreiben möchte. Beide Unternehmen werfen der Gegenseite die Nichterfüllung vertraglicher Pflichten vor und haben den Vertrag aus unterschiedlichen Gründen einseitig gekündigt. Das LNG-Terminal in Stade wurde zur Sicherung der Gasversorgung in Reaktion auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine im Februar 2022 beschlossen und Ende 2023 fertiggestellt. Nach Angaben der landeseigenen Hafeninfrastrukturgesellschaft N-Ports lagen die Kosten bei rund 300 Millionen Euro und waren sechsmal höher als beim ersten LNG-Großprojekt in Wilhelmshaven, da ein kompletter Hafenabschnitt neu gebaut werden musste. Das Land Niedersachsen hatte den Bau mit 100 Millionen Euro aus Mitteln des Umweltministeriums gefördert, um die Energiesicherheit zu gewährleisten. Das schwimmende LNG-Terminal „Energos Force“ traf zwar im März 2024 ein, verließ den Hafen jedoch im Januar 2025 wieder nach monatelanger Untätigkeit in Richtung Dänemark – angeblich aufgrund notwendiger Baggerarbeiten. Die Charterkosten für das Spezialschiff zur Regasifizierung (FSRU) liegen laut Schätzungen zwischen 200.000 und 400.000 Euro pro Tag. Allein für die Schiffsmiete dürfte die DET also bereits zwischen 70 und 140 Millionen Euro ausgegeben haben. Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) bezeichnete die Verzögerung in Stade mit Blick auf die Versorgungssicherheit als inakzeptabel. „Ein weiteres Verzögern oder gar ein Scheitern dieses wichtigen Projekts kann und darf sich niemand leisten“, sagte Lies und betonte: „Niedersachsen hat geliefert.“ Lies forderte von HEH und DET eine „schnelle und tragfähige Lösung“, die sich den erfolgreichen Betrieb des LNG-Terminals in Wilhelmshaven zum Vorbild nehmen könne.