Der Bundesverband Erdgas, Erdöl und Geoenergie (BVEG) fordert die unterirdische Speicherung von klimaschädlichem Kohlendioxid nicht nur in der Nordsee, sondern auch auf dem deutschen Festland. „Wir müssen den Industrien, bei denen Dekarbonisierung nicht ohne weiteres möglich ist, Lösungen anbieten“, sagte BVEG-Hauptgeschäftsführer Ludwig Möhring gestern bei der Jahrespressekonferenz seines Branchenverbands in Hannover. Die Einlagerung (CSS) und die industrielle Wiederverwertung (CCU) von Kohlendioxid würden vor allem für große CO2-Verursacher aus den Bereichen Chemie, Papier und Stahl eine vielversprechende Alternative zur technisch nur schwer umsetzbaren Dekarbonisierung darstellen. Zudem gebe es einige Wirtschaftssektoren, wie etwa die Herstellung von Kalk und Zement sowie die Müllverbrennung, in denen CO2-Emissionen grundsätzlich unvermeidbar sind. „Wir müssen die CO2-Ziele einhalten. Dabei tun wir so, als ob wir Optionen hätten, die wir nicht haben. Das CO2 muss raus aus der Atmosphäre“, sagte Möhring. Ähnlich hatte sich bereits Bundesumweltminister Robert Habeck (Grüne) bei der Vorstellung der Carbon-Management-Strategie der Bundesregierung Ende Februar geäußert. „Ohne CCS können wir unmöglich die Klimaziele erreichen“, hatte Habeck betont.

Möhring warnte davor, dass Deutschland bei der CO2-Speicherung den Anschluss verliert. „Deutschland tut gut daran, sich nicht allein in die Abhängigkeit von anderen Nordsee-Anrainerstaaten zu begeben“, sagte der BVEG-Hauptgeschäftsführer. Dänemark habe sich beim Thema „Carbon Capture and Storage“ (CSS) in den vergangenen Jahren „komplett neu erfunden“ und setze mittlerweile auch auf die kostengünstigere CO2-Speicherung an Land. Und auch die Niederlande seien der Bundesrepublik weit voraus: Im Hafengebiet von Rotterdam entsteht derzeit die größte CCS-Anlage Europas, mit deren Hilfe schädliche Treibhausgase in leeren Gasfeldern unter der Nordsee gespeichert werden sollen. Das 1,3 Milliarden Euro teure Projekt namens „Porthos“ werde die CO2-Emissionen der Niederlande ab 2026 jährlich um 2 Prozent reduzieren, verspricht der Projektträger. Auf dem deutschen Festland ist die CO2-Speicherung aktuell nur zu Testzwecken zulässig. Möhring hält einen Kurswechsel jedoch nicht für ausgeschlossen, das hätten nun die Bundesländer in der Hand. Kohlendioxid könne beispielsweise in alten Gaslagerstätten oder Aquiferen (Grundwasserleitern) eingelagert werden.


