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Wir befänden uns einer „Phase der mentalen Pubertät im Umgang mit den neuen Medienmöglichkeiten“, schreibt der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen in seinem aktuellen Buch „Die große Gereiztheit. Wege aus der kollektiven Erregung.“ Problematisch ist allerdings, dass die überbordende verbale Erregung inzwischen auf den politischen Betrieb übergeschwappt ist. Dabei geht es nicht nur um die Reaktionen der Linkspartei auf Spahn, die in ihrer Niveaulosigkeit und ihrem billigen Populismus der AfD in nichts nachtsteht, auch wenn sie sich das wünschen und niemals zugeben würde. Es geht auch um die sprachlichen Entgleisungen in den übrigen Parteien, die inzwischen Alltag geworden sind. Auf dem Grünen-Landesparteitag in Oldenburg bezeichnete der neue Grünen-Vorsitzende Robert Habeck am Wochenende sein FDP-Pendant Christian Lindner als „asozial“. Das ist in etwa das „Ab morgen kriegen sie in die Fresse“-Niveau von Andrea Nahles.
Während die Sprache auf Seiten der Exekutive immer behördlicher und technokratischer wird, nehmen die verbalen Eskalationen bei Parteien und Fraktionen immer stärker zu.
Auffällig ist eine kommunikative Zweiteilung im politischen Raum. Während die Sprache auf Seiten der Exekutive immer behördlicher und technokratischer wird, nehmen die verbalen Eskalationen bei Parteien und Fraktionen immer stärker zu. Der Erfolg der AfD belebe den politischen Diskurs, meinte kürzlich der ehemalige sächsische Ministerpräsident Kurt Biedenkopf. Aber das stimmt nicht. Wir haben in diesem Land überhaupt keinen politischen Diskurs. Die politische Debatte ist inzwischen überlagert von Pöbeleien und persönlichen Angriffen. Hinzu kommt: wer sich auf der richtigen politischen Seite wähnt, hält die eigenen aggressiven Äußerungen auch noch für gerechtfertigt. Das rechtspopulistische „Das muss man doch mal sagen dürfen“- Prinzip ist inzwischen auch bei SPD und Grünen gelebte Kultur, bei der Linkspartei ohnehin.
„Man muss sich die Frage stellen, wie man selbst die eigenen Werte und Normen vertritt, ohne andere, die plötzlich so irrwitzig nahe gerückt sind, unnötig zu verletzen“, schreibt Bernhard Pörksen. Man könnte es auch einfach formulieren: Kriegt Euch mal wieder ein.
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