26. Jan. 2026 · 
TagesKolumne

„Ich rede mit allen Leuten“

Von Harald Martenstein lässt sich viel lernen. Wie eine Kolumne klingen kann. Wie man Neues anfängt. Und dass man auch mit Menschen reden sollte, deren Ansichten man nicht teilt.

Der Harald Martenstein (72) wagt also noch einmal etwas Neues. Nach 24 Jahren endete nun seine wöchentliche Kolumne im „Zeit-Magazin“. Künftig schreibt er auf jenem Platz, den Kolumnen-König Franz Josef Wagner hinterlassen hat. Ich würde Martenstein nicht als Vorbild bezeichnen. Aber ich las seine Kolumnen gern. Jede Woche. Im nun veröffentlichten Abschiedsinterview erzählte er, anfangs habe er eine Kunstfigur erschaffen: „ein grantiger und kantiger, aber nicht ganz unsympathischer Typ.“ Doch mit der Zeit habe er sich davon emanzipiert, die Kolumnen-Stimme und er: eins.

Ja, grantig und kantig war er häufig. Aber auch geradlinig. Man musste nicht alle Ansichten teilen, konnte sich an ihm reiben, das gefällt mir und es gefiel wohl vielen. Sonst wären es nicht über 1200 Kolumnen geworden. Seine „Zeit“-Kollegen nahmen nun Abschied von ihm, als wäre er gestorben. Allerdings geht er nur zur „Bild“. Für viele auch schon ein Ort, an den sie ihm nicht folgen können. Dabei war er ja auch früher schon an umstrittenen Orten. Gab sogar „Nius“ schon ein Interview. Dazu sagte er im „Zeit“-Gespräch: „Ich habe schon oft gesagt, dass ich von einer ‚Kontaktschuld‘ nichts halte. Ich rede mit allen Leuten, sofern sie mich nett und fair behandeln.“

Es lässt sich von diesem Altlinken, der inzwischen vielen zu rechts ist, wohl einiges lernen – darunter auch das: Man sollte sich nicht nur mit Menschen umgeben und auseinandersetzen, die so denken wie man selbst oder einem gar einfach nur nach dem Munde reden, um zu gefallen. Das bringt am Ende doch auch niemanden voran.

Wir haben vergangene Woche mit Heidi Reichinnek geredet. Das finden bestimmt auch nicht alle toll, aber das muss man aushalten können. Reichinnek hat unsere Abstimmung zum „Aufsteiger des Jahres“ gewonnen. Sie, liebe Leserinnen und Leser, hätten ja auch einen der anderen Kandidaten wählen können. Es lag in Ihrer Hand. Nun also Reichinnek, die Fraktionschefin der Linken im Bundestag. In der neusten Episode unseres Politiknerds-Podcast sprechen wir über das Comeback der Linken, Hype und Hass auf Tiktok, Politikerdeutsch und Populismus, Systemfragen im Plural, Antisemitismus und das angespannte Verhältnis von Union und Linkspartei.

Klaus Wallbaum hat bei dem Gespräch zugehört und eine schriftliche Version für den heutigen Rundblick daraus geformt. Dieses und weitere Themen warten gleich auf Sie:

  • Kultur: Wie steht es um die Kulturförderung in Niedersachsen? Der Stader Landrat Kai Seefried und der Geschäftsführer des Landschaftsverbandes Stade ziehen Bilanz – und die ist negativ.


  • Software: Sind die Vorbehalte gegenüber US-Anbietern von Software für die Digitalisierung der Verwaltung berechtigt? Nein, sagt die CDU – und verweist auf Schutzvorkehrungen.


  • Interview: Bei der Wahl zum „Aufsteiger des Jahres“ haben sich die meisten Rundblick-Leser für Heidi Reichinnek entschieden. Sie äußert sich beim Besuch der Redaktion in Hannover.

Wagen auch Sie etwas Neues!

Ihr Niklas Kleinwächter

Dieser Artikel erschien in Ausgabe #015.
Niklas Kleinwächter
AutorNiklas Kleinwächter

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