15. Sept. 2020
Finanzen

Hilbers: Schulden von heute sind die Steuererhöhungen von morgen

Bei der Vorstellung des Haushaltsplans für 2021 im Landtag hat Finanzminister Reinhold Hilbers (CDU) am Dienstag eindringlich vor einer Ausweitung der Kredite gewarnt: „Die Schulden von heute sind die Steuererhöhungen von morgen – denn jeder Euro, den wir neu aufnehmen, wird später wieder zurückgezahlt werden müssen.“ Ausdrücklich fügte er hinzu, er lehne daher die DGB-Forderung nach einem schuldenfinanzierten Innovationsfonds von einer Milliarde Euro „konsequent ab“. Kurz zuvor hatte Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) noch auf eine Grünen-Anfrage erklärt, in dieser Frage seien Sozial- und Christdemokraten unterschiedlicher Ansicht. „Das wird vielleicht ein Thema im Landtagswahlkampf werden“, fügte der Regierungschef hinzu. Der Haushaltsexperte der Grünen-Fraktion, Stefan Wenzel, forderte die rot-schwarze Koalition auf, dem Vorschlag des DGB schnell zu folgen – „die Haushaltsansätze für Investitionen im Etatentwurf für 2021 sind viel zu gering, auf der anderen Seite ist viel Geld in verschiedenen Sondervermögen versteckt“, beklagte der Grünen-Politiker.
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Die jüngste Steuerschätzung hatte in der vergangenen Woche festgestellt, dass die Einnahmeausfälle des Staates in diesem Jahr weniger stark sind als vermutet – sie dürften rund 2,5 Milliarden Euro betragen, nicht 3,4 Milliarden, wie zunächst vermutet. Dafür aber sind die Belastungen im Jahr 2021 und in den Folgejahren stärker, es sind 2021 Ausfälle von etwa 2,5 Milliarden Euro. Da die Landesregierung in diesem Jahr in zwei Nachtragshaushaltsplänen mehr als 8 Milliarden Euro an neuen Schulden aufgenommen hatte, reicht das Geld zunächst auch für das kommende Jahr. Hilbers betonte aber, das in diesem und auch im nächsten Jahr nötige Abweichen vom gesetzlichen Neuverschuldungsverbot bedeute „nur ein Aussetzen, nicht ein Aufgeben“ einer Politik der strikten Sparsamkeit. „Heute ist nicht die Zeit für zusätzliche politische Wünsche“, betonte Hilbers. 35 Prozent der wirtschaftlichen Leistung Niedersachsens beruhe schon jetzt auf staatlichen Leistungen – und damit sei eine Grenze erreicht: „Die Belastung des Staates ist nicht unendlich.“ Auch der CDU-Fraktionsgeschäftsführer Jens Nacke stützte diesen Kurs: „Die Schulden sind von dieser Generation aufgenommen worden, sie sollten deshalb auch von dieser Generation wieder zurückgezahlt werden“, betonte er und fügte hinzu: „Klimaschutz und der Abbau sozialer Verwerfungen dürfen keine Rechtfertigung dafür sein, die Verantwortung für die Schuldenpolitik an die nächste Generation weiterzureichen.“

SPD blickt auf Schiffs- und Auto-Zulieferindustrie

Andere Schwerpunkte wurden in den Reden der SPD-Fraktionschefin Johanne Modder und des Grünen-Finanzpolitikers Wenzel erkennbar. Modder sagte, einige Branchen würden vermutlich erst in einigen Monaten in große Schwierigkeiten geraten. Die SPD widme sich vor allem der Schiffs- und der Auto-Zulieferindustrie. Für kleine Unternehmen, Solo-Selbstständige und Schausteller müssten die Förderrichtlinien „schnellstmöglich greifen“. https://www.youtube.com/watch?v=Gcdk8Pri8BM Wenzel sagte, er vermisse im Haushaltsplan ausreichende Mittel für wichtige Projekte – etwa die Uni-Medizin in Oldenburg, das kriminaltechnische Institut des Landeskriminalamtes und der nötige neue Staatsschutzsenat beim OLG Celle. FDP-Fraktionschef Stefan Birkner rügte, der Plan der Regierung, die in diesem Jahr aufgenommenen neuen Kredite über 25 Jahre lang jährlich mit 325 Millionen Euro abzuzahlen, sei „unrealistisch“. So etwas sei allenfalls in Zeiten hoher Einnahmeüberschüsse möglich. Bei der Regierung fehle der Wille zum Sparen und zur Verwaltungsreform. Im Übrigen mache ihn nachdenklich, dass von den mehr als 8 Milliarden Euro, die in zwei Nachtragshaushalten dieses Jahr an neuen Schulden aufgenommen wurden, bisher 6,8 Milliarden Euro noch nicht abgeflossen seien. „Wir haben den Verdacht, Sie schaffen sich einen Puffer für die Wahlkampfzeit“, sagte Birkner. Der AfD-Finanzexperte Peer Lilienthal riet ebenso wie die FDP dazu, „endlich mit dem Sparen anzufangen“. Aus seiner Sicht sei es in dieser Zeit nicht mehr richtig, die Entwicklungskooperation mit Tansania fortzusetzen. „Das muss Sache des Bundesentwicklungshilfeministeriums sein.“
Dieser Artikel erschien in Ausgabe #162.
Niklas Kleinwächter
AutorNiklas Kleinwächter