Sind 25 Euro angemessen? Bei FDP und SPD meint man: Nein
Dabei gehe der eventuelle Änderungsbedarf über die Frage hinaus, ob die Entschädigung von 25 Euro pro Tag angemessen ist. Immer wieder geht es auch um materielle Schäden, die entstanden sind, wie zum Beispiel den Verdienstausfall. „Das gesamte Verfahren steht daher auf dem Prüfstand“, heißt es aus dem Justizministerium. Der FDP-Politiker Genthe meint, es hätte schon längst etwas geändert werden müssen. Genthe hält eine Reform auf Bundesebene für dringend erforderlich. Das „Schmerzensgeld" für den immateriellen Schaden ist Genthe zufolge mit 25 Euro pro Tag viel zu niedrig bemessen. „Das sind gerade einmal ein Euro pro Stunde. Das ist inakzeptabel. Ein Knast ist schließlich kein Wellnesshotel.“Ein Knast ist schließlich kein Wellnesshotel - Marco Genthe
Auch Marco Brunotte, Sprecher für Justizvollzug und Straffälligenhilfe in der SPD-Landtagsfraktion, hält 25 Euro pro Tag für viel zu wenig. „Wenn der Rechtsstaat einen Fehler macht, muss er das danach auch vernünftig regeln. Der Schadensersatz für entgangenen Urlaub liegt bei 72 Euro pro Tag, die Entschädigung für Nicht-Vermögensschäden bei nur 25 Euro – das steht in keiner Relation“, meint Brunotte.
Er erinnert an einer Landtagssitzung im Jahr 2010. Schon damals hatte die SPD einen höheren Tagessatz gefordert und warf dem damaligen CDU-Justizminister Bernd Busemann vor, einen Bundes-Kompromiss für eine höhere Entschädigung verhindert zu haben. Busemann erklärte damals, die 25 Euro seien mit Ausnahme von Berlin bundesweiter Konsens gewesen.

