20. Aug. 2026 · 
NotizWissenschaft

Goslar soll Universitätsstadt werden

Bislang studieren rund 350 Studenten der TU Clausthal in Goslar. Ein neuer, von Unternehmer Hans-Joachim Tessner mitfinanzierter Campus soll ihre Zahl vervielfachen.

Haben große Pläne für Goslar (von links): Urte Schwerdtner, Anke Tessner-Schreyeck und ihr Vater Hans-Joachim Tessner, Sylvia Schattauer sowie Joachim Schachtner. | Foto: Link

Die TU Clausthal erwägt einen deutlichen Ausbau ihres Standorts in Goslar. Gemeinsam mit der Stadt und der Hans-Joachim-Tessner-Stiftung plant sie neben dem Energieforschungszentrum (EFZN) in der ehemaligen Rammelsberg-Kaserne einen neuen Universitätscampus für bis zu 1000 zusätzliche Studenten. Derzeit sind rund 350 Studenten der TU Clausthal in Goslar eingeschrieben. Auf dem städtischen Gelände sind Labore, Forschungs- und Seminarräume sowie Flächen für Unternehmen und eine Mensa geplant. Schwerpunkte sollen Energieforschung, Informations- und Sensortechnologien sowie der neue Studiengang „AI Engineering“ sein, der sich um Forschung und Anwendung von Künstlicher Intelligenz dreht. „Wir haben die Vision, Goslar zu einer Universitätsstadt zu machen“, sagte Hans-Joachim Tessner. Der Unternehmer, dem unter anderem die Möbeldiscounter-Kette Roller gehört, will das Millionenprojekt für seine Heimatstadt maßgeblich mitfinanzieren. „Unternehmer haben das Ziel, wenn sie nicht ganz erfolglos sind, etwas zurückzugeben an die Gesellschaft. Und ich hatte immer im Hinterkopf: Du musst noch mal ein Leuchtturmprojekt machen“, erzählte Tessner. Über seine Stiftung fungiert der 80-Jährige in Goslar unter anderem als Kunstmäzen und Förderer des Ehrenamts – vor allem über die Bürgerstiftung und den jährlich verliehenen Bürgerpreis. Wie viel das Projekt kosten wird, ist noch offen. Laut dem Goslarer Chef-Gebäudemanager Oliver Heinrich und TU-Präsidentin Sylvia Schattauer wird eine Fertigstellung für das Jahr 2030 anvisiert.

„Es ist keine Abwanderung, sondern eine Erweiterung und damit auch eine positive Entwicklung auch für Clausthal“, betonte Schattauer. Während Clausthal das „wissenschaftliche Herz“ der Technischen Universität bleiben werde, sollen in Goslar die Zukunftsthemen Energie, Informationstechnik und Sensorik im Fokus stehen. „Diese Bereiche brauchen nicht nur mehr Platz, sondern auch eine Infrastruktur, die digitales Lernen und Forschen ermöglicht“, so Schattauer. „Die Entwicklung in Goslar steht nicht in Konkurrenz zu Clausthal und Zellerfeld“, betonte Wissenschafts-Staatssekretär Prof. Joachim Schachtner und verwies auf rund 90 Millionen Euro Landesförderung für den Hauptstandort der TU. Nach der Ideenstudie sollen die Planungen nun konkreter werden. Laut Oberbürgermeisterin Urte Schwerdtner könnte die Tessner-Stiftung den Campus bauen und anschließend der Stadt übergeben. „Wir würden es dann kostenfrei der Universität überlassen“, so ihre Überlegungen. Die Hochschule würde in diesem Szenario nur für Betriebskosten und Instandhaltung aufkommen müssen.

Dieser Artikel erschien in Ausgabe #142.
Christian Wilhelm Link
AutorChristian Wilhelm Link

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