19. Jan. 2026 · 
NotizBildung

Geschlossen gegen Ganztagserlass

Das Kultusministerium überrascht Bildungsverbände mit einem Erlass zur Arbeit im Ganztag. Einwände und Kritik bleiben ungehört. Schulleiter und Lehrer fühlen sich alleingelassen.

Vier Bildungsverbände äußern Kritik am neuen Ganztagserlass des niedersächsischen Kultusministeriums. Nachdem in der vergangenen Woche bereits der Schulleiterverband im Politikjournal Rundblick (hier) seine Irritation über das Vorgehen der Regierung zum Ausdruck gebracht hat, schließen sich nun auch die Leitungen Niedersächsischer Grundschulen (LNGS e. V.), die Gemeinnützige Gesellschaft Gesamtschule (GGG e. V.) und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) dem Protest an. Das Beteiligungsverfahren bezeichnen sie in einer gemeinsamen Stellungnahme als „Partizipationstheater“, weil die Anregungen der Verbände weitgehend ignoriert worden seien. Inhaltlich fordern sie, den „Bildungs- und Erziehungsauftrag gegenüber Betreuungsansprüchen stärker hervorzuheben“. Der Erlass versäume es, „die Ganztagsgrundschulen vor Anforderungen zu schützen, die tatsächlich an die Jugendhilfeträger zu richten“ seien. „Ohne jede Bodenhaftung“ phantasiere der Erlass von ganzheitlicher Bildung, die „im krassen Gegensatz zu einer Schulrealität“ stehe, die aufgrund einer unzureichenden Personalausstattung all das nicht leisten könne. Die Verbände erneuern die Kritik an Schulträgern, die ihre Schulen zu Gremienbeschlüssen drängen würden. Das Land schütze die Schulen nicht ausreichend davor, „zu reinen Betreuungseinrichtungen“ zu werden. Die Ansprüche, wie sie der Ganztagserlass formuliert, wollen die Bildungsverbände explizit nicht kritisieren – sehr wohl aber deren Umsetzung, die in der Verantwortung der Schulträger liege.

Dieser Artikel erschien in Ausgabe #011.
Niklas Kleinwächter
AutorNiklas Kleinwächter

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Geschlossen gegen Ganztagserlass