11. Nov. 2025 · 
TagesKolumne

Gegessen wird, was bezuschusst wird

Das Niedersachsen-Menü kommt zurück! Für 2,50 Euro gibt’s bald wieder Mensa-Essen – und als Beilage die Erkenntnis: Politik schmeckt vielleicht nicht jedem, kann aber satt machen.

Das Niedersachsen-Menü kehrt zurück. Nachdem das beliebte Mensa-Angebot von den Studierendenwerken wegen fehlender Finanzmittel zum Jahresbeginn eingefroren werden musste, taut die Landesregierung den stark subventionsbedürftigen Serviervorschlag jetzt wieder auf. Fünf Millionen Euro lässt sich Rot-Grün das kulinarische Comeback über die politische Liste kosten. Und die Frage liegt auf dem Tablett: Worauf dürfen sich die Studenten freuen?

Die Antwort liegt wahrscheinlich irgendwo zwischen Haushaltsdisziplin und Hungergefühl. Schließlich soll das Niedersachsen-Menü zwar ein „ausgewogenes Mittagessen“ bieten, darf die angehenden Akademiker am Ende aber nur 2,50 Euro kosten – da stehen selbst erfahrene Kantinenköche vor einer Quadratur des Tellers. Das Filetsteak vom Harzer Höhenrind fällt damit ebenso aus wie der Bio-Dinkel vom Ökolandwirt aus dem Weserbergland oder der handgeschälte Spargel aus der Lüneburger Heide.

Wahrscheinlicher ist eine Kombination aus Kartoffeln – denn die sind immer regional – und etwas, was offiziell als Bratling durchgeht, geschmacklich aber ebenso aus der Papierfabrik in Dörpen stammen könnte. Dazu ein Löffel Steckrübenpüree möglichst ohne Eigengeschmack und eine Kelle lauwarmen Kohl mit leicht unnatürlicher Blässe. Das Ganze serviert auf dem altbewährten Tablett in Tundra-Grau, das bereits mehrere BAföG-Reformen überlebt hat – und voilà: fertig ist der sozialverträgliche Mittagstisch.

Zurück auf dem Tablett: Das Niedersachsen-Menü feiert sein Comeback. | Foto: Link/mit KI generiert

Aber das Niedersachsen-Menü ist mehr als die Summe seiner Zutaten. Es ist ein politisches Versprechen, das da dampfend aus der Ausgabestation der Landesregierung kommt: Niemand soll hungrig studieren müssen – zumindest nicht in Niedersachsen. Dass dabei gelegentlich Geschmack auf der Strecke bleibt, ist ein Preis, den man für eine magenfüllende Mahlzeit unter drei Euro heutzutage zahlen muss. Und wer meckert, bekommt vom Finanzminister eine Extra-Portion fiskalischer Realität serviert. Garantiert kalorienarm und mit besonders langem Nachgeschmack.

Wer hungrig auf Neuigkeiten aus der niedersächsischen Tagespolitik ist, wird an der heutigen Rundblick-Ausgabe einiges zu knabbern haben. Wir haben folgende Themen für Sie angerichtet:

  • Politische Liste: Die Schulen sollen künftig mehr Geld für "Demokratieförderung" erhalten. Was aus diesem Etat erlaubt sein soll und was nicht, wird in einer Richtlinie des Ministeriums vorgegeben.


  • Hochschulreform: Fehlt Niedersachsens Unis die Strategiefähigkeit? Die Abwahl mehrerer Hochschulpräsidenten lässt an der Krisenfestigkeit des Systems zweifeln. Ein Reformplan ist aber umstritten.


  • Förderwettbewerb: Niedrige Kosten und hohe EU-Förderquoten geben den Ausschlag: MAN dürfte seine neue Batteriefabrik in Osteuropa bauen. Für Salzgitter bleibt immerhin die Rolle als Logistikzentrum.


  • Außerdem: Gutes Kosten-Nutzen-Verhältnis für Neubaustrecke Hannover-Hamburg, OLG Celle erlaubt Wohnsitzwechsel für Tatverdächtigen, eine neue App aus Niedersachsen macht Kleingedrucktes sichtbar.

Guten Appetit wünscht
Ihr Christian Wilhelm Link

Dieser Artikel erschien in Ausgabe #200.
Christian Wilhelm Link
AutorChristian Wilhelm Link

Artikel teilen

Teilen via Facebook
Teilen via LinkedIn
Teilen via X
Teilen via E-Mail