3. Mai 2018
Kommentar

Funklöcher: Mobilfunkbetreiber stärker an die Kandare nehmen

Darum geht es: Nicht nur in Niedersachsen können Bürger jetzt Funklöcher melden. Die Politik macht gegen die weißen Flecken auf der Netzkarte mobil. Ein Kommentar von Martin Brüning. Man hat sich daran gewöhnt: Wer im Auto oder im Zug unterwegs ist und telefoniert, der wählt mehrmals. Denn durch Funklöcher unterbrochene Verbindungen machen immer wieder erneutes Anrufen nötig. Inzwischen hat auch die Politik das Thema entdeckt. „Das Mobilfunknetz sei für eine Wirtschaftsnation untragbar“, wetterte der neue Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer kürzlich. In Brandenburg hat die CDU eine Funklochmelder-Seite aufgesetzt. Mehr als 23.200 Meldungen sind schon eingegangen. Und auf der neuen Funklock-Beschwerdeseite des niedersächsischen Wirtschaftsministeriums gingen schon am ersten Wochenende mehr als 1100 Funkloch-Meldungen ein. Den Mobilfunkanbietern zufolge ist eigentlich alles prima. Wer sich zum Beispiel die Netzkarte der Telekom ansieht, der findet nur wenige Funklöcher. Auch auf der Vodafone-Karte ist die Zahl der angezeigten teilweise kleiner als die der gefühlten Funklöcher – wirkt aber schon realistischer. Dabei ist natürlich noch nicht vom schnellen LTE-Netz die Rede. Das kann in Deutschland nur in etwa jeder zweite Mobilfunkkunde nutzen. Wer in einer größeren Stadt wohnt, ist im Vorteil. Ein Sprecher von Telefónica Deutschland erklärte dem IT-Nachrichtenportal Golem.de, bei der Netzabdeckung gehe es schließlich um eine „gesamtheitliche Betrachtung“. Kunden, die viel unterwegs sind, dürften allerdings gesamtheitlich eher unzufrieden sein. Die Gründe für die weißen Flecken auf der Netzkarte sind vielfältig. An manchen Orten haben die Konzerne wirtschaftlich wenig Interesse daran, Lücken zu schließen. Auch Orte selbst sind häufig nicht in der Lage, für einen sechsstelligen Betrag einen neuen Funkmast zu installieren. Und dann gibt es Gegenden, in denen sich Bürgerinitiativen aus Strahlen-Angst oder Ortsräte aus Naturschutzgründen erfolgreich gegen Funkmasten gewehrt haben. Überraschend ist dort vor allem die Überraschung darüber, dass die Bürger sich nun darüber beschweren, dass sie mit dem Smartphone vor Ort nicht telefonieren können. Die Politik tut dennoch gut daran, die Mobilfunkbetreiber nun stärker an die Kandare zu nehmen. Die bisherigen Ankündigungen der Bundespolitik sind nichts als weiße Salbe. Dazu gehört auch der von Scheuer geplante Mobilfunkgipfel. Die Gipfel-Manie der Politik bedient zwar die Presseöffentlichkeit, aber in diesem Fall keinen Mobilfunkkunden. Der Plan, dass die Bürger nun auch der Regulierungsbehörde Funklöcher melden können, geht ebenfalls ins Leere. „Melden macht frei“ heißt es immer bei der Bundeswehr. Aber dort weiß man auch, dass damit grundsätzlich zunächst einmal kein Problem gelöst, sondern nur weitergetragen wird. Stattdessen muss die Regulierungsbehörde gestärkt werden, denn diese verlässt sich bei den Angaben zur Netzabdeckung stark auf die Netzbetreiber. Ein ähnliches Problem kennt man aus der Dieselkrise, wo die deutschen Behörden US-Hilfe brauchten, um der Schummelei auf die Schliche zu kommen. Sowohl für die Netzabdeckung als auch für saubere Automotoren gilt: der Staat kann Regeln vorgeben. Er braucht dann aber auch die Mitarbeiter und die Strukturen, um die Einhaltung dieser Regeln selbst zu prüfen. Ein Hinweis noch zum geplanten Mobilfunkgipfel: Er sollte besser nicht östlich von Visselhövede stattfinden. Dort existiert laut Telekom-Karte ein größeres Funkloch. Mail an den Autor dieses Kommentars  
Dieser Artikel erschien in Ausgabe #84.
Martin Brüning
AutorMartin Brüning