11. Juni 2018
Soziales

50.000 Pflege-Fachkräfte wählen jetzt die Kammerversammlung

224 Kandidaten in drei Berufsgruppen stellen sich ab morgen zur Wahl - dann beginnt die Wahl zur ersten Kammerversammlung der neuen niedersächsischen Pflegekammer. Derzeit hat die neue berufsständische Vertretung mehr als 52.300 Mitglieder. Mehr als 46.700 von ihnen sind wahlberechtigt. Nicht alle hatten sich rechtzeitig für die Wahl angemeldet. Die Wahl organisiert die Pflegekammer nicht selbst. Sie wird von einem Dienstleister aus Stuttgart durchgeführt. „Er übernimmt zum Beispiel die Erstellung der Wahlunterlagen, die Zustellung und die Auszählung“, erklärt Manuel Ahting, Geschäftsführer der Pflegekammer, dem Politikjournal Rundblick. Das Unternehmen habe das entsprechende Fachwissen in Bezug auf Kammerwahlen. Die Auszählung werde selbstverständlich vom kompletten Wahlausschuss überwacht. Bis spätestens zum 28. Juni müssen die Briefwahlunterlagen eingetroffen sein. Ahting hofft auf eine hohe Wahlbeteiligung. Die Auszählung werde mindestens zwei volle Tage dauern, je nach Beteiligung möglicherweise auch länger.

Spiegelt die Größe der Berufsgruppen wider

Die Pflegekräfte in Niedersachsen bekommen drei unterschiedliche Stimmzettel, je nach Berufsgruppe. Drei Viertel der Kandidaten treten im Bereich der Gesundheits- und Krankenpflege an. Das übrigen Viertel verteilt sich zu einigermaßen gleichen Teilen auf Altenpflege und Gesundheits- und Kinderkrankenpflege. Das spiegelt auch die Größe der Berufsgruppen in Niedersachsen wider und wird nach der Wahl auch in der Verteilung der 31-köpfigen Pflegekammer abgebildet, die sich am 8. August konstituiert. Schlagkräftig dürften bei der Wahl vor allem Kandidatenlisten sein, die von starken Verbänden getragen werden.
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Ahting hält die bisherige Entwicklung der niedersächsischen Pflegekammer für sehr beachtlich. Man merke kaum, dass die Geschäftsstelle erst vor noch nicht einmal einem Jahr die Arbeit aufgenommen habe. Auch die Anzahl der registrierten und wahlberechtigten Mitglieder sei erstaunlich. Dennoch freut sich der Geschäftsführer auf die Zeit, in der es endlich eine gewählte Kammerversammlung gibt. „Aktuell sind Errichtungsausschuss und Vorstand nicht legitimiert, sich politisch zu äußern. Das macht es bei Nachfragen und aktuellen Ereignissen immer wieder schwierig. Das wird sich in diesem Sommer aber ändern“, so Ahting. Dann könnten die Pflegekräfte endlich selbst über die Zukunft und die Entwicklung ihrer Branche mitentscheiden und durch die Berufsordnung und Qualitätsstandards die Inhalte von Pflege definieren. „Es ist längst überfällig, dass das genau diejenigen machen, die wissen was sie tun.“

Kritiker befürchten Zuviel an Bürokratie

Die Einrichtung einer Pflegekammer in Niedersachsen war nicht unumstritten. Die Befürworter versprechen sich mehr Mitsprachemöglichkeiten von Pflegekräften im Gesundheitswesen. Kritiker befürchtet dagegen ein Zuviel an Bürokratie. Zudem würden abhängig Beschäftigte zwangsregistriert. Auch Gewerkschaften und Verbände bemängelten, dass die Kammer viel Geld kosten werde, ohne dass mit ihr die Probleme in der Pflege gelöst würden.
Dieser Artikel erschien in Ausgabe #109.
Klaus Wallbaum
AutorKlaus Wallbaum