Setzt auf Dialog: BVEG-Hauptgeschäftsführer Ludwig Möhring - Foto: Niklas Kleinwächter[/caption]
Damit setzt sich zwar der negative Trend der vergangenen Jahre fort, Niedersachsen bleibt allerdings bei der Förderung beider Rohstoffe nach wie vor im Spitzenfeld: Mehr als 96 Prozent des bundesdeutschen Erdgases wurden 2018 in Niedersachsen gefördert, bei der Erdölförderung wird Niedersachsen (35,44 Prozent) nur von Schleswig-Holstein (54,11 Prozent) übertroffen. Doch das Ende ist bereits in Sicht: Die Erdgasreserven schätzt der BVEG auf insgesamt noch rund 50 Milliarden Kubikmeter, die Erdölreserven auf 29 Millionen Tonnen. Liefe die Förderung wie bisher weiter, wäre also in acht Jahren alles Erdgas und in rund 14 Jahren alles Erdöl in Deutschland aus dem Boden geholt.
Industrie setzt auf Dialog mit den Bürgern
Die Branche ist darauf angewiesen, in jedem Jahr so viele neue Reserven zu erschließen, wie sie aktuell fördert, um den Fortbestand der Industrie zu sichern. Daran geknüpft seien nicht weniger als die Versorgungssicherheit der Volkswirtschaft, die Unabhängigkeit des Landes und das Gelingen der Energiewende, meint Ludwig Möhring, BVEG-Hauptgeschäftsführer. Allerdings sei „ohne Fracking erhebliches Wachstum nicht möglich“, erklärt er. Doch aktuell wird die umstrittene Methode nicht angewandt, bis eine Expertenkommission auf Bundesebene neue Standards gesetzt hat. „Die Expertenkommission ist nun Herrin des Verfahrens“, sagt Möhring, baut damit Distanz zu dem unabhängigen Gremium auf und spielt ihm gleichzeitig den Ball zu. Eingesetzt wurde die Kommission, um auf die anhaltenden Bürgerproteste gegen das Fracking zu reagieren – ein Ziel, das auch Möhring gutheißt: „Jede Industrie muss in der Mitte der Gesellschaft verankert sein, um erfolgreich zu sein.“ Doch diese Verankerung sieht er bei der Erdgas- und Erdölindustrie gefährdet, beklagt zunehmende Gegenwehr aus der Bevölkerung sowie langwierige Genehmigungsverfahren in den zuständigen Behörden. Mit dem Dialogprozess „Gas 2030“ möchte das Bundeswirtschaftsministerium gegen die Verunsicherung in der Gesellschaft vorgehen, der BVEG begrüßt diese Bemühungen.
Wir müssen raus aus der ideologischen Debatte, dass alles außer Erneuerbaren Energien schlecht sei. Das geht an der Lebenswirklichkeit unserer Energielandschaft vorbei.
„Wir können mehr“, sagt der BVEG-Hauptgeschäftsführer selbstbewusst und betont, dass die „Herkulesaufgabe Energiewende“ nur gelingen könne, wenn sie integriert gedacht werde, also konventionelle und Erneuerbare Energiequellen in ein Gesamtkonzept gebracht würden. „Wir müssen raus aus der ideologischen Debatte, dass alles außer Erneuerbaren Energien schlecht sei. Das geht an der Lebenswirklichkeit unserer Energielandschaft vorbei“, sagt der Geschäftsführer des Technologieverbandes. Seiner Ansicht nach müsse Erdgas im Energiemix langfristig die Stelle der Brennstoffe einnehmen, die CO2 produzieren, um neben dem Atomausstieg auch die Ziele zur CO2-Reduzierung erreichen zu können. Doch dazu müssten die Unternehmen in die Lage versetzt werden, geplante Projekte umzusetzen. Dafür brauche es mehr gesellschaftlichen Rückhalt: „Wir brauchen Vertrauen in das Produkt und wir brauchen Vertrauen in die Prozesse.“
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Der BVEG habe deshalb nun auch seine eigenen Informations- und Dialogangebote ausgebaut. Häufig vorgebrachte Argumente gegen seine Branche seien: Erdgas- und Erdölförderung verlängere nur das fossile Zeitalter, obwohl es doch bereits Erneuerbare Energien gebe, Rohstoff-Importe würden ausreichen und außerdem sei die Erdgas-Produktion nicht sicher und mache krank. Gegen die letztgenannte Sorge führt Möhring die im Dezember vorgestellte Abstandsstudie zu Rotenburg an: Ein genereller Zusammenhang zwischen der Erdgasförderung und vermehrten Krebsfällen konnte nicht festgestellt, Entwarnung allerdings auch nicht gegeben werden. Möhring zeigt sich einsichtig und drängt auf Kompromisse: „Wir müssen frühzeitig erklären, was wir tun, aber der Dialog muss auch konstruktiv sein.“ Es müsse eine „Lösungsorientierung statt Verhinderungsstrategie“ geben. Den Dialog mit der Wasserwirtschaft über Bohrungen in Wasserschutzgebieten sieht der BVEG-Geschäftsführer als Erfolg an. Mit Zuhören und Zureden möchte der Branchenverband nun also der Bevölkerung ihre Technologieangst nehmen.


