30. Aug. 2026 · 
InterviewWahlen

„Die Stadtverwaltung ist rot-grün geprägt. Wer den Wechsel will, muss mich wählen“

In der Serie der Interviews mit den hannoverschen OB-Kandidaten vor der Wahl am 13. September äußert sich heute der CDU-Bewerber Peter Karst.

Der Oberbürgermeisterkandidat der CDU Hannover, Peter Karst, besucht die Rundblick-Redaktion. | Foto: Lada

Bei den Direktwahlen für Bürgermeister und Landräte ragt die Landeshauptstadt Hannover heraus. Wird OB Belit Onay (Grüne) im Amt bleiben oder abgelöst werden? In lockerer Folge äußern sich die aussichtsreichsten Bewerber im Interview. Heute: Peter Karst (CDU).

Rundblick: Herr Karst, es sind noch knapp zwei Wochen bis zum Wahltag. Wie läuft der Wahlkampf in Hannover?

Karst: Ich nehme das schon als eine Materialschlacht wahr. Überall hängen Plakate, es gibt haufenweise Interviews und Gespräche – auch Nischenprodukte treten in Erscheinung, beispielsweise einige Instagram-Kanäle, die hin und wieder auch bestimmte Interessengruppen bedienen. Seit ich meine Kandidatur im August 2025 erklärt habe, gab es bestimmt 30 Podiumsdiskussionen, zu denen ich eingeladen war. Man merkt auch, dass die Bedeutung dieser OB-Wahl eine landespolitische Dimension hat: Man versucht, das Rathaus zu gewinnen – als Vorstufe für den Erfolg bei der Landtagswahl in einem Jahr.

Rundblick: Hat sich der Umgangsstil verändert? Herrscht ein kollegiales Verhältnis zu den Mitbewerbern?

Karst: Das war anfangs entspannt und hat sich mit der öffentlich verkündeten Botschaft des SPD-Kandidaten Axel von der Ohe zu meinen Chancen geändert. Er hatte behauptet, Peter Karst könne nicht OB werden, denn ein CDU-Kandidat habe in der Stichwahl nie eine Chance. Die SPD lässt ihre Botschaft in der Aussage gipfeln, jede Stimme für Karst sei „eine Stimme für Onay“. Das ist natürlich Nonsens.

Peter Karst grenzt sich von der rot-grünen Stadtpolitik in Hannover ab. | Foto: Link

Rundblick: Warum?

Karst: Vor Beginn der parlamentarischen Sommerpause hatten wir eine repräsentative Umfrage veröffentlicht, wonach 79 Prozent der Hannoveraner einen dringenden Wunsch nach einem grundlegenden Politikwechsel verspürten. Ein solcher Wechsel ist aber nicht mit Axel von der Ohe zu machen, der seit vielen Jahren als Stellvertreter des OB agiert, also die zweitmächtigste Funktion im Rathaus ausfüllt. Wer Axel von der Ohe wählt, tauscht den Spieler aus – aber er lässt das Spiel unverändert.

Rundblick: Was würden Sie inhaltlich ändern, wenn Sie zum Oberbürgermeister gewählt werden sollten?

Karst: Ganz oben steht bei mir die Botschaft: Sauberkeit, Ordnung und Sicherheit. In einem 100-Tage-Sofortprogramm würde ich prüfen, wo der Einsatz des kommunalen Ordnungsdienstes verstärkt, die Beleuchtung von dunklen Straßen und Wegen verbessert und die Kameraüberwachung ausgeweitet werden kann. An bestimmten Orten ist dies notwendig – und bisher ist hier, in der Verantwortung von Onay und von der Ohe, viel zu wenig geschehen. Was die Passerelle angeht, müsste auch mit dem Betreiber über eine bessere Ordnung gesprochen werden – das würde ich tun. Mit dem Abfallbetrieb Aha würde ich vereinbaren, dass an einigen Orten, den Hotspots, die Reinigung verstärkt wird.

Rundblick: Welche Position haben Sie zu den Stadtfinanzen?

Karst: Hannover befindet sich in einer sehr angespannten Haushaltslage. Kurz vor der Wahl hat es ein Schattenboxen zwischen dem OB Onay und dem Finanzdezernenten von der Ohe gegeben – und der Finanzdezernent hat gegen die Ausweitung des städtischen Personals interveniert, nach meiner Kenntnis das erste Mal in seiner neunjährigen Amtszeit. Ich bin mal gespannt, ob der Protest ernst gemeint war oder er im Grunde gar nichts gegen Personalwachstum hat – immerhin ist das ja die bisherige Linie der von ihm mitverantworteten Stadtpolitik. Von der Ohe hat viele Wahlversprechen abgegeben, vom kostenlosen Schul-Mittagessen über die Verbilligung des ÖPNV bis zur Verkehrsförderung. Wie er das alles angesichts der angespannten Stadtfinanzen bezahlen will, bleibt sein Geheimnis. Hier setze ich auf Solidität und habe in meinem Programm einen klaren Schwerpunkt bei der Wirtschaftsförderung.

Rundblick: Wie genau?

Karst: Nehmen wir das Beispiel Ihme-Zentrum. Ich hatte mit dem Eigentümer Ulrich Marseille Kontakt. Dort will man am liebsten gar nicht mit der Stadtverwaltung reden in der Angst, gleich verklagt zu werden. So geht das aber nicht. Wir müssen die Investoren einbinden und mit ihnen sprechen – beispielsweise, wenn es um die Entwicklung der leerstehenden Kaufhäuser in der Innenstadt geht. Ein Leine-Beach, wie meine Mitbewerber es wollen, ist sicher eine schöne Idee. Doch die Stadt kommt insgesamt nur voran, wenn wir die großen Baustellen anpacken und die Innenstadt zielstrebig entwickeln.

Rundblick: Die Wirtschaftspolitik ist also Ihr eigentlicher Schwerpunkt?

Karst: Das ist ein zentraler Punkt meiner Vorstellung von einer besseren Stadtpolitik. Wenn es um die Wirtschaftsförderung geht, können wir nicht die bisherige Politik der Verantwortungsdiffusion fortsetzen. Wir haben die Stadtverwaltung, die Regionsverwaltung und Hannover-Impuls als gemeinsames Unternehmen dieser beiden. Daneben agieren die Metropolregion und die Kammern. Als OB würde ich diese verschiedenen Zuständigen besser koordinieren und die Zuständigkeiten klar gegeneinander abgrenzen. Man muss dann auch die Kommunen im Umland einbeziehen. Ein abgestimmtes Vorgehen zugunsten des großen Ganzen ist möglich. Ich will mich dafür einsetzen.

Dieser Artikel erschien am 31.8.2026 in Ausgabe #148.

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