6. Mai 2018
Wirtschaft

Die schwierige Frauenfrage: NDR-Gremien suchen nach neuer Doppelspitze

Die Suche hat schon begonnen, allerdings noch verdeckt. Im nächsten Jahr stehen größere Personalentscheidungen im Norddeutschen Rundfunk (NDR) an, und die Gremien des Senders müssen dafür möglichst gute Vorschläge machen. Der neue Verwaltungsrat, dessen Mitglieder Ende Mai neu benannt werden, muss Kandidaten nominieren, die anschließend vom Rundfunkrat gewählt werden. Es geht um die Posten des Direktors des Landesfunkhauses in Niedersachsen, Arno Beyer, und um den des NDR-Intendanten Lutz Marmor. Beyer ist 63 Jahre alt, Marmor 64. Von Beyer heißt es, dass er in jedem Fall aufhören werde. Über Marmor wird spekuliert, dass er um zwei oder mehrere Jahre seinen Vertrag verlängern könne. Durchaus möglich wäre aber, für beide Positionen ein „Personalpaket“ zu schnüren. Hier wird allerdings ein Problem deutlich – es gibt zu wenig profilierte Frauen, die bisher für diese Spitzenpositionen des NDR ins Gespräch gekommen sind.
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Marmor und Beyer sind derzeit die beiden starken Figuren des NDR, der Funkhauschef in Hannover ist seit 2007 in Personalunion zugleich Vize-Intendant. Das ist durchaus logisch, da die meisten Hörer des Senders in Niedersachsen wohnen. Bevor das Team Marmor/Beyer vor elf Jahren in den NDR-Gremien bestimmt wurde, hatte es ein monatelanges internes Hickhack gegeben, das in einen Machtkampf zwischen Verwaltungsrat und Rundfunkrat ausartete. Während sich eine selbstbewusste Gruppe im Verwaltungsrat damals für den jetzigen ARD-Programmdirektor Volker Herres als neuen Intendanten stark machte, weigerte sich der Rundfunkrat. Erst nach mehreren vergeblichen Anläufen setzten sich die Lager damals zusammen und verständigten sich. Heute heißt es aus den NDR-Gremien, dass es weder den Machtkampf zwischen Verwaltungs- und Rundfunkrat, noch zwischen den politischen „Fraktionen“ in beiden Untergliederungen gebe. Traditionell teilen sich die Grüppchen grob in Arbeitgeber und Christdemokraten, Gewerkschaften und Sozialdemokraten und Umwelt-/Verbrauchergruppen und Grüne. Generell, wird berichtet, habe die Politisierung des NDR stark nachgelassen – und damit auch die seiner Gremien. Das erleichtert nun einerseits die Nachfolgesuche, andererseits aber tut sich generell ein Problem auf: Die für Nummer eins und Nummer zwei gehandelten Kandidaten sind männlich, es scheint aber kaum durchsetzbar, ganz auf Frauen in der Leitungsebene zu verzichten. Im Funkhaus Hannover, wo seit vergangenem Jahr die neue Fernsehchefin Andrea Lütke wirkt, wäre das noch vertretbar, in der Spitze der Intendanz aber kaum. So reifen nun intern zwei Pläne. Der erste besagt, dass Björn Wilhelm (42), der derzeit den Programmbereich Fernsehen in Hamburg leitet, neuer Funkhauschef in Hannover werden könnte. Intendant bliebe dann vorläufig Marmor – so lange, bis der Sender eine Frau für dieses Amt gefunden hat. Der zweite Plan sieht auch Wilhelm für das Funkhaus Niedersachsen vor, der Posten des Vize-Intendanten ginge dann aber an Angela Böckler (62), die seit 2015 Verwaltungsdirektorin des NDR ist. Sie stammt aus Buchholz in der Nordheide, ist also Niedersächsin. Dies könnte dann den Weg eröffnen für Joachim Knuth (59), den derzeitigen Programmdirektor Hörfunk, als neuen NDR-Intendanten und Nachfolger für Lutz Marmor. Lange Zeit kursierte in den NDR-Gremien der Name Patricia Schlesinger (56), einer profilierten Fernsehjournalistin, die in Hannover geboren wurde. Seit sie aber 2016 neue Intendantin des Rundfunks Berlin Brandenburg (RBB) wurde, scheint sie für NDR-Leitungspositionen aus dem Rennen zu sein. Es sei denn, es würde dem NDR gelingen, sie vom RBB abzuwerben. Immerhin ist der NDR ja größer und bedeutender als der Sender in Berlin und Brandenburg.
Dieser Artikel erschien in Ausgabe #85.
Martin Brüning
AutorMartin Brüning