Den russischen Nationaldichter Alexander Sergejewitsch Puschkin kennt hierzulande kein Schwein mehr. Und auch der nach ihm benannte Wodka hat schon bessere Zeiten erlebt. Die Jugend von heute trinkt bewusster, feiert in „kontrollierten Umfeldern“ und scheint generell wenig Interesse daran zu haben, am Sonnabendmorgen mit einer rätselhaften Erinnerungslücke, drei neuen besten Freunden und einer leeren Puschkin-Flasche aufzuwachen. Im beschaulichen Haselünne hat man diese Entwicklung erkannt und reagiert darauf im Rahmen der Konzernstrategie „Evolve 2030“.
Zum Puschkin-Relaunch liefert Berentzen-Marketingchef Frederik Bergmann dann auch gleich die bemerkenswerte Erkenntnis, woran es beim hauseigenen Produkt bislang eigentlich krankte: Pur war das Zeug kaum zu ertragen, weil es zu sehr nach Wodka schmeckte. „Durch die optimierten Rezepturen weist der Wodka nun einen qualitativ hochwertigen, deutlich weicheren Geschmack auf als zuvor und macht ihn ideal zum Mixen“, erklärt Bergmann die wesentliche Verbesserung.

Nach der Jägerbomb (Jägermeister und Energy-Drink), dem Campari-Spritz und dem omnipräsenten Gin Tonic kapituliert nun also auch Berentzen endgültig vor dem Geschmack des eigenen Alkohols. Der junge Erwachsene von heute will zwar den Rausch, aber nicht den fiesen Beigeschmack. Folgerichtig wurden die Flavour-Sorten „Pomegranate“, „Wildberry“ und „Nuts & Nougat“ auf milde 15 Prozent Alkoholgehalt gestutzt. Die neue Leitidee der Spirituosenbranche lautet offenbar: Lifestyle vor Promille.
Bei der Zielgruppe kommt das in Kombination mit dem neuen wertigeren Flaschendesign offenbar gut an. „Innerhalb einer unabhängigen Marktforschung gaben bereits 84 Prozent der Befragten an, dass sie vom neuen Konzept überzeugt sind und die Marke im Ergebnis als deutlich attraktiver wahrnehmen“, berichtet Bergmann. Und darum, etwas attraktiver wahrzunehmen, geht es beim Alkoholkonsum schließlich seit jeher.
Am Ende bleibt daher nur die Hoffnung, dass die junge Generation bei all dem bewussten Konsum, den kontrollierten Umfeldern und den optimierten Rezepturen nicht vergisst, was Puschkin einmal groß gemacht hat: schlechte Entscheidungen, die sich erst am nächsten Morgen als solche herausstellen.
Im Gegensatz zu Puschkin, dessen Werke einst vom Zaren persönlich zensiert wurden, kommt der Rundblick vollkommen nun unverfälscht zu Ihnen – und liefert statt weichgespülter PR gewohnt hochprozentigen Journalismus. Welche harten politischen Nüsse hat das Land heute zu knacken? Wir berichten in der heutigen Ausgabe über:
Mit einem emsländischen Do swidanija! verabschiedet sich
Ihr Christian Wilhelm Link


