13. Aug. 2026 · 
TagesKolumne

Die deutsche Art zu drohen

Nach Kritik an einem AfD-Plakat erhält ein Gastronom eine Drohung per Postkarte. Der Täter zitiert dafür ausgerechnet Loriot – und offenbart vor allem eigenes Unverständnis.

Manche Menschen tippen ihre Drohungen in wenigen Sekunden in die Kommentarspalten sozialer Netzwerke. Andere setzen ihre unheilvollen Botschaften mühsam aus ausgeschnittenen Zeitungsbuchstaben zusammen. Wieder andere versuchen, ihrem Akt zwischenmenschlicher Barbarei sogar eine intellektuelle Note zu verleihen.

Ein 86-jähriger Celler hat eingeräumt, einem Gastronomen aus Hambühren (Landkreis Celle) eine Drohung in Form eines verfremdeten Loriot-Cartoons geschickt zu haben. Warum? Der gebürtige Albaner hatte zuvor ein AfD-Wahlplakat mit dem Slogan „Unser Land. Unsere Regeln.“ öffentlich kritisiert, das direkt vor seinem Restaurant aufgestellt worden war. Obwohl er die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt, habe er sich durch den Spruch ausgegrenzt gefühlt, sagte er den örtlichen Medien. Daraufhin schickte ihm der Senior eine Postkarte, mit der er die „unkluge Reaktion eines Nicht-Bio-Deutschen“ auf das „kluge Wahlplakat“ anprangerte.

Gar nicht witzig: Vicco von Bülows Cartoon „Feuerwehr“ (links) wurde zum Drohschreiben (rechts) umgearbeitet. | Fotos: Loriot & Diogenes Verlag, privat

Im Original-Cartoon flieht ein Mann aus einem brennenden Haus und betätigt einen Feuermelder. Das vermeintliche Rettungsgerät funktioniert zwar. Statt Alarm auszulösen, setzt es jedoch nur eine kümmerliche Wasserfontäne in Gang. Der Celler Postkartenschreiber erklärte das brennende Haus mithilfe handschriftlicher Anmerkungen zum Restaurant des Gastronomen und die Szene zur „Prognose“ nach dessen öffentlicher Kritik an dem AfD-Plakat. Darunter schrieb er: „Und keine Hilfe!!“

Dabei ist die ausbleibende Hilfe doch bereits der Witz des Cartoons. Es ist ja schon schlimm genug, ausgerechnet Loriot für eine fremdenfeindliche Drohung zu missbrauchen. Wer anschließend aber auch noch dessen Pointe erklärt und sie für seine eigene hält, sollte sich dafür noch einmal gesondert verantworten müssen.

Die Polizei hat den Absender zwar ermittelt. Doch wer weiß, wie viele weitere Postkarten mit Loriot-Cartoons bei ihm noch im Schrank liegen und auf ihren Einsatz warten. Ob der Fall den Staatsschutz beschäftigt, ist nicht bekannt. Den Kulturgutschutz sollte er aber dringend auf den Plan rufen. Die unverzügliche Beschlagnahmung sämtlicher Loriot-Bestände in der Wohnung des Seniors ist aus meiner Sicht zwingend geboten.

Noch mehr Stoff für Empörung bietet – und so soll es auch sein – die heutige Rundblick-Ausgabe. Wir berichten über folgende Themen:

  • Bilanz zum Schulstart: Für 890.000 Kinder und Jugendliche in Niedersachsen beginnt an diesem Donnerstag die Schule. Die Zahl der Lehrer steigt leicht an, es sind aber immer noch nicht genug.


  • Diskussion um Medizinstrategie: Wie wollen die Bewerber für das Präsidentenamt in der Region Hannover die Gesundheitsversorgung verbessern?, fragte die Diakonie – und lieferte einen Realitätscheck gleich mit.


  • Ärger um VW in Wolfsburg: Prüft VW den Verkauf von fast 10.000 Wohnungen? Der vdw und die Politik warnen vor drastischen Folgen für den Wolfsburger Mietmarkt. Der Konzern äußert sich schmallippig.


  • Personen & Positionen: Christian Budde, Oliver Grimm und Volker Alt.

Als stolzer Besitzer eines Saugbläsers der Marke „Heinzelmann“ und aussichtsreicher Anwärter auf ein Jodeldiplom grüßt
Ihr Christian Wilhelm Link

Dieser Artikel erschien in Ausgabe #136.
Christian Wilhelm Link
AutorChristian Wilhelm Link

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