17. Feb. 2026 · 
TagesKolumne

Die Currywurst-Opposition

Zwischen Brandbrief und Bratfett: Die AfD kämpft in Niedersachsen mit internen Flammen und setzt lokal auf Opposition zum Sparpreis.

In der AfD wird derzeit kräftig gezündelt – und der Rauch kommt diesmal aus der eigenen Zentrale: Der Landesverband Niedersachsen hat das Schreiben von AfD-Europapolitikerin Anja Arndt aus Nortmoor als „Brandbrief“ bezeichnet und ihn als „Aneinanderreihung bizarrer Falschbehauptungen“ abgetan, um das politische Feuer im Keim zu ersticken. „Wir weisen alle erhobenen Vorwürfe als unzutreffend zurück“, verkündete der Landesvorstand. In Feuerwehrkreisen würde man sagen: Weitergehen, hier gibt es nichts zu sehen.

Gleichzeitig muss AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund in Sachsen-Anhalt an einer anderen Front löschen: Er wehrt sich gegen Vorwürfe der Vetternwirtschaft wegen der Anstellung seines Vaters bei einem Parteikollegen im Bundestag. Der verdiene dort gar nicht 7700 Euro monatlich, sondern „unter 5500 Euro“. Dies sei auch angemessen, da sein Vater Diplom-Ingenieur sei und im Bundestag gute Arbeit leiste, zitiert ihn die "Junge Freiheit". Warum der AfD-Abgeordnete Thomas Korell – gelernter Dachdecker im Sportausschuss – unbedingt akademische Ingenieursexpertise in seinem Team braucht, steht da leider nicht. Vielleicht geht es darum, die Statik der Brandmauer nach innen neu zu berechnen.

Und während in Berlin die Gold Card gezückt wird, zeigt uns Stefan Marzischewski in Gifhorn, wie man echte Low-Budget-Opposition macht. „Die anderen Parteien benötigen für ihre Haushaltsklausur mehrere Tausend Euro. Die AfD kommt seit Jahren mit ca. 50 Euro aus“, schrieb er vor der jüngsten Kreistagssitzung. Woanders reicht ein Fuffi gerade mal fürs Trinkgeld beim Lobbyisten-Lunch, in Gifhorn kriegt man dafür wahrscheinlich eine Familienplatte Currywurst-Pommes und eine Kiste Sprudel. Ein genialer Schachzug ist das obendrein: Wer mit halbleerem Magen politisiert, hat einfach mehr Biss, wenn er den Landrat wegen seiner „Lustreisen“ zur Grünen Woche röstet.

Neulich bei der AfD-Haushaltsklausur in Gifhorn: Für extra Mayo reicht das Budget leider nicht. | Foto: GettyImages/Anja Cotar

Marzischewski feuerte gegen die „Entourage“, die der Landrat im Schlepptau gehabt haben soll. Doch ein Blick in die offizielle Kostenaufstellung der Kreisverwaltung wirkt eher wie eine Lehrstunde in deutscher Beamten-Genügsamkeit, bei der höchstens die Sparflamme lodert. Von wegen Luxus-Limo und Champagner-Empfang: Landrat Philipp Raulfs (SPD) reiste zusammen mit seinem Büroleiter und dessen Stellvertreter ganz bodenständig mit der Deutschen Bahn an – in der 2. Klasse für 46,99 Euro pro Nase. Auf der Rückfahrt gönnte man sich immerhin ein Flexticket für 63,90 Euro. Statt im Adlon residierte man für schmale 73 Euro die Nacht und das Tagegeld von 14 Euro dürfte erfahrungsgemäß nicht mal für das Hotelfrühstück gereicht haben.

Am Ende wurde es durch eine parallele Anfrage der CDU sogar für die Opposition brenzlig: Raulfs wurde zwar nicht danach gefragt, konnte sich aber nicht den Hinweis verkneifen, dass neben den drei Kreisvertretern auch mehrere CDU-Fraktionsmitglieder beim Niedersachsenabend in Berlin mitmischten. Sieben Karten seien durch den Landkreis über Niedersachsen Marketing zur Verfügung gestellt worden, drei weitere habe der CDU-Politiker Frank Bühren selbst bezahlt. Da zeigt sich wieder mal: Wer anderen die Hölle heiß machen will, sollte darauf achten, dass sich der Wind nicht dreht.

Heiß her geht es auch in der heutigen Rundblick-Ausgabe. Wir haben folgende Themen für Sie im Redaktions-Smoker garen lassen:

  • OP am offenen Herzen: Die Krankenhausreform soll auf Bundesebene die letzten Hürden nehmen und die Länder wollen Ausnahmeregeln verankern. Die Kassen sehen das kritisch, und die Uhr läuft.


  • Netzgeflüster: In der Nordsee bleiben die Fanggründe umstritten. Das Land sucht die Balance zwischen Biotopschutz, Brauchtumspflege und Unterstützung für die Betriebe entlang der Nordsee.


  • Check-up für Chefs: Die Prüfung der Verfassungstreue von Bürgermeister- und Landratskandidaten spielte bisher keine große Rolle in den Kommunen. Das soll jetzt anders werden - und schürt Unruhe.

Viel Spaß beim Lesen – und lassen Sie nichts anbrennen!
Ihr Christian Wilhelm Link

Dieser Artikel erschien in Ausgabe #031.
Christian Wilhelm Link
AutorChristian Wilhelm Link

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