Der DGB-Landesvorsitzende Mehrdad Payandeh hat sich für eine „faire Ausbildungsplatzabgabe“ ausgesprochen – und er hofft, dass diese im niedersächsischen Landtag als Landes-Vorschrift beschlossen werden kann. „Die Bremer Bürgerschaft hat so etwas bereits festgelegt, dort gibt es einen Beitrag bemessen an der Bruttolohnsumme der jeweiligen Betriebe. Es gibt aber einen Rechtsstreit darüber. Das Beispiel zeigt jedoch, dass man diese Frage landesgesetzlich festlegen kann“, erklärte Payandeh bei der Vorstellung des „Ausbildungsreports“ für das Jahr 2023. Gleichzeitig zeigte sich der DGB-Vorsitzende pessimistisch zu der Frage, ob sich die Ampel-Koalition in Berlin zu einer bundesweiten Vorschrift für eine Ausbildungsplatzabgabe durchringen wird. „Die Aussichten sind derzeit wegen der gegenseitigen Blockade nicht gut.“

Anlass für das aktuelle Wiederholen der Forderung, die vom DGB schon länger vertreten wird, sind die Zahlen der Ausbildungssituation in Deutschland. Aus dem Datenreport zum Berufsbildungsbericht geht eine auffällige Schieflage hervor. In den Bezirken der Bundesagentur für Arbeit wurde das Angebot an Ausbildungsplätzen und die Nachfrage gegenübergestellt, basierend auf den Daten von 2022. Dabei fällt auf, dass von den Flächen, die eine besonders schwache Versorgung mit Angeboten der Firmen haben, die meisten in Niedersachsen liegen: Die Region Hannover, die Kreise Celle und Heidekreis, die Region Lüneburg-Wendland, Uelzen, Diepholz, Nienburg und der Raum Bremen, sowie das Weserbergland. Hier kamen auf 100 Jugendliche, die sich um einen Ausbildungsplatz beworben haben, nur 80 bis 90 Plätze. In fast allen anderen Regionen Deutschlands ist die Lage weit besser, da es dort sehr viel mehr Ausbildungsplatzangebote gibt. Neben den genannten niedersächsischen Regionen ist die Lage vergleichbar schlecht nur in Berlin, in Ostwestfalen-Lippe und in Teilen des Ruhrgebietes. In Bayern, Teilen von Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, in Nord-Brandenburg und teilweise an der Ostseeküste ist die Situation außergewöhnlich gut, dort kommen mehr als 110 Ausbildungsplätze auf 100 Suchende.
Warum die Lage in weiten Teilen Niedersachsens so negativ ausfällt, kann sich der DGB auch nicht erklären. Payandeh vermutet, dass es mit der hier vorherrschenden kleinbetrieblichen Struktur zusammenhängen könnte. Manche Unternehmen würden auch die Hürden für neue Auszubildende hoch hängen. Sie würden dann niemanden finden und dies anschließend lautstark beklagen. Was ihn ärgere, sei auch die verbreitete Ablehnung von Bewerbern mit Migrationshintergrund. Dabei bräuchten diese jungen Leute eine besondere Unterstützung, eine „Kümmerer-Struktur“. Die Betriebe sollten wissen, dass das Erlernen von Deutsch während einer Ausbildung im Kreis von Kollegen oft viel leichter fallen könne als in Lehrgängen. Die „Ausbildungsplatzabgabe“ soll nach Payandehs Vorstellung so funktionieren: Die Betriebe, die nicht ausbilden, sollen in einen Topf einzahlen. Aus den Einnahmen könne dann die Ausbildung gestützt werden – womöglich auch über eine staatliche Betreuung.

Im aktuellen „Ausbildungsreport“ des DGB wird erwähnt, dass in Niedersachsen und Bremen Ende September 2022 insgesamt 4640 Ausbildungsplätze unbesetzt waren. Gleichzeitig hätten 7580 junge Menschen eine Ausbildung gesucht. Der DGB Niedersachsen-Bremen hat 1381 Auszubildende zwischen August 2022 und Juli 2023 in den Berufsschulen nach ihren Bewertungen gefragt. Am zufriedensten mit ihrer Ausbildung seien die Elektroniker für Betriebstechnik, Industriemechaniker und Maurer gewesen – ebenso Bankkaufleute, Mechatroniker und Fachinformatiker. Die größte Unzufriedenheit gab es jedoch bei Einzelhandelskaufleuten, Malern, Köchen und Zahnmedizinischen Fachangestellten. Weniger als die Hälfte aller Befragten sehe sich gut auf die Anforderungen der Digitalisierung vorbereitet. Die Zufriedenheit mit der Ausbildung lag bei 71,4 Prozent. Diese Zahl befindet sich seit 2012 mit Schwankungen in einem Sinkflug. Die DGB-Abteilungsleiterin für Jugendpolitik, Kimberly Haarstik, spricht zudem von einem „Rekordhoch“ an anderer Stelle. 14 Prozent der Befragten gaben an, in ihrer Lehre zuweilen auch für ausbildungsfremde Tätigkeiten eingesetzt zu werden.


