3. Feb. 2026 · 
TagesKolumne

Der Markt würfelt nicht

Aufwärtstrend hier, Paradigmenwechsel dort – und 15.000 Euro mehr pro Eigenheim. Willkommen im Niedersachsen-Monopoly.

Da stehen Finanzminister Gerald Heere vermutlich schon die Euro-Zeichen in den Augen: Zwischen Langeoog und Duderstadt haben 2025 insgesamt 94.600 Immobilien den Besitzer gewechselt. Bei einem Gesamtumsatz von 25 Milliarden Euro macht das beim niedersächsischen Grunderwerbsteuersatz von fünf Prozent – zumindest rein rechnerisch – bis zu 1,25 Milliarden Euro für die Landeskasse. Abzüglich aller Befreiungen, Sonderfälle und kreativen Gestaltungen, versteht sich.

Finanzminister Gerald Heere sieht vor lauter Euro-Zeichen wenig Spielraum für eine Senkung der Grunderwerbsteuer. | Foto: Rundblick

Überhaupt ist alles super auf dem Immobilienmarkt: Daniela Behrens sprach gestern bei der Vorstellung des Landesgrundstücksmarktberichts von einem deutlich erkennbaren „Aufwärtstrend“ und gewachsenem „Zukunftsvertrauen“, das sich in Investitionen zeige. Grant Hendrik Tonne feierte kurz darauf „einen echten Paradigmenwechsel in der Flächennutzung – weg von großflächigen Einfamilienhausgebieten, hin zu Nachverdichtung“. Ein Riesenerfolg für die FDP-Innenministerin und den grünen Bauminister also. Moment: SPD, sagen Sie? Beide? Ganz sicher?

Denn was hier als Erfolg verkauft wird, wirkt aus sozialdemokratischer Sicht eher problematisch: Die Preise für Wohneigentum ziehen weiter an. Wer 2025 ein Eigenheim gekauft hat, musste im Schnitt 15.000 Euro mehr zahlen als noch ein Jahr zuvor – egal ob Doppelhaushälfte, Reihen- oder Einfamilienhaus. Bei Eigentumswohnungen ergibt sich ein ähnliches Bild.

15.000 Euro mehr sind 15.000 Euro mehr, die man erst einmal netto dazuverdienen muss. Das lässt sich weder schönrechnen noch politisch nachverdichten. Die dazu passenden Lohnerhöhungen habe zumindest ich nicht mitbekommen. Der Immobilienmarkt mag wieder im Aufwärtstrend sein. Aber die Frage, ob in diesem Markt noch die Normalos aus der Badstraße oder nur noch die Herren von der Schlossallee zum Zug kommen, drängt sich zunehmend auf.

Wer beim Niedersachsen-Monopoly nicht bereits ein Haus auf dem Brett stehen hat, landet schnell im Feld „üppig Miete zahlen“. Und das Preisgeld für den zweiten Platz im Schönheitswettbewerb reicht inzwischen nicht einmal mehr für die Nebenkosten. Vielleicht sollte sich die Landesregierung weniger über den Würfelwurf freuen und stattdessen ein paar neue Ereigniskarten in den Stapel mischen.

Wie wäre es mit: „Du erhältst Bauland zu sozialverträglichen Konditionen – rücke vor bis zur Eigentumsbildung.“ Oder: „Grunderwerbsteuer für das erste selbst genutzte Eigenheim reduziert – ziehe 20.000 Euro ein.“ Optimismus ist ein schöner Spielzug. Aber wenn er der einzige bleibt, gewinnt am Ende nicht der, der fleißig über „Los“ zieht. Dann jubeln ausschließlich diejenigen, die das Spiel mit mehr Startkapital begonnen haben.

Liegt wie Blei in den Regalen der Spielwarenläden: Das Niedersachsen-Monopoly. | Foto: Link

Wenn Sie an dieser Stelle jetzt mit einer Anleitung für das große Niedersachsen-Brettspiel gerechnet haben, muss ich Sie enttäuschen. Hier kommen stattdessen die Themen der heutigen Ausgabe:

  • Reformidee mit Hindernissen: Sollen künftig auch Minderjährige Mitglieder in Räten und Kreistagen werden? Rot-Grün will das so, doch erhebliche rechtliche Bedenken werden laut. Der Plan droht zu scheitern.


  • Mehr Verträge, mehr Umsatz: Der Immobilienmarkt in Niedersachsen kommt in Schwung. Doch während Preise für Häuser und Wohnungen steigen, bleibt eine zentrale Frage offen: Wer kann sich Eigentum noch leisten?


  • Die Agenda des Vorsitzenden: Das Gesundheitswesen soll bezahlbar, krisenfest und ein attraktiver Arbeitsplatz sein. Was kann GMK-Vorsitzender Andreas Philippi dazu beitragen?

Viel Glück beim Würfeln wünscht
Ihr Christian Wilhelm Link

Dieser Artikel erschien in Ausgabe #021.
Christian Wilhelm Link
AutorChristian Wilhelm Link

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Der Markt würfelt nicht