10. Apr. 2026 · 
TagesKolumne

Der Buzz-Minister

Ein Minister, ein Bulli, ein Klapptisch: Grant Hendrik Tonne testet den Bulli als mobiles Büro – und wirft ganz nebenbei die Frage auf, wie viel Staatskarosse heute noch nötig ist.

Nein, Grant Hendrik Tonne hat keine Rockband gegründet und ist auch nicht unter die Camper oder die Surfer gegangen. Trotzdem fährt er seit ein paar Tagen mit einem Volkswagen ID.Buzz durch das Land und lässt seinen ID.7 in der Garage stehen. Warum? Der Wirtschaftsminister testet derzeit den Elektro-Bulli auf seine Tauglichkeit als Dienstwagen und könnte damit zum bundesweiten Trendsetter werden. Während die anderen Landesminister zwischen Kiel und München in den gewohnten Nobelkarossen von Audi, BMW oder Mercedes vorfahren, bricht Tonne mit der automobilen Etikette der Macht. Wie der Wirtschaftsminister im Gespräch mit dem Politikjournal Rundblick verraten hat, steht dahinter vor allem der Versuch, den Dienstwagen als mobiles Büro zu optimieren.

Diese Strategie erinnert mich an eine Figur aus der Popkultur, die das Auto zur Kanzlei machte: den „Lincoln Lawyer“. In der gleichnamigen Bestseller-Reihe und Netflix-Serie arbeitet der Anwalt Mickey Haller deshalb aus seinem Lincoln, weil er ständig unterwegs ist – und weil der Wagen genug Platz bietet, um während der Fahrt durch Los Angeles die Fallakten zu wälzen. Tonne wird nun zum niedersächsischen Pendant: zum „Buzz-Minister“. Wo andere Minister in ihren Oberklasse-Limousinen mühsam das Tablet auf den Knien balancieren, hat er nun einen Bambus-Klapptisch. Außerdem kann er bei jeder Ankunft die Schiebetür aufreißen und erst einmal eine Runde Kaltgetränke aus der Kühlbox an die wartende Presse verteilen.

Doch die neue Arbeitswelt auf Rädern hat ihre Tücken im Flächenland Niedersachsen. Während der ID.Buzz im städtischen Umfeld glänzt, kann die Reichweite im Dauereinsatz zwischen Norddeich und Walkenried zur logistischen Herausforderung werden. Die Sorge, dass der Wirtschaftsminister nicht rechtzeitig zum Pressetermin kommt, weil eine Zwangspause an der Ladesäule fällig wurde, fährt eben immer mit. Sollte der ID.Buzz diesen Praxistest bestehen, ist jedoch vom Ende der klassischen Staatskarosse bis zur endgültigen Überwindung der deutschen Reichweitenangst alles denkbar.

Ein Elektro-Bulli als Staatskarosse: Wir haben schon das passende Werbeplakat dafür. | Foto: Volkswagen ID, SPD, Montage: Link

Egal ob auf dem Rücksitz des Dienstwagens oder im Büro, freuen Sie sich nun auf die Themen der heutigen Ausgabe. Wir berichten über:

  • Kandidaten-Check: Mit der neuen Kommunalverfassung will Rot-Grün einen Verfassungs-Check für Bürgermeisterkandidaten verstärken. Experten äußern sich dazu kritisch, aber nicht generell ablehnend.


  • Nachtflug-Debatte: Niedersachsens Luftretter fordern das Ende starrer Flugzeiten. Das Argument: Wenn immer mehr Kliniken schließen, darf die Hilfe mit dem Helikopter nicht bei Sonnenuntergang enden.


  • Investieren in der Ukraine: Krieg, Risiko, Unsicherheit – und trotzdem ein Boom: Ein Unternehmer aus dem Emsland setzt auf die Ukraine und berichtet von Chancen, die hierzulande kaum wahrgenommen werden.


  • Gegen den Azubi-Mangel: Die Chancen sind gut, die Einkommen stark, doch mit dem Nachwuchs hapert es. Das Handwerk geht vor der Ideen-Expo in die Offensive und wirbt für die Ausbildung.

Gute Fahrt in den Freitag wünscht
Ihr Christian Wilhelm Link

Dieser Artikel erschien in Ausgabe #067.
Christian Wilhelm Link
AutorChristian Wilhelm Link

Artikel teilen

Teilen via Facebook
Teilen via LinkedIn
Teilen via X
Teilen via E-Mail
Der Buzz-Minister