
Die Ankündigung der rot-grünen Landesregierung steht im Raum: Im nächsten Schuljahr, das im August beginnt, sollen alle Schüler der siebenten Klassen mit Tablets arbeiten, die ihnen die Schule kostenfrei zur Verfügung stellt. Aber wird das für alle Schüler schon zum Start des Schuljahres möglich sein? Das blieb nach einer Landtagsdebatte, die am Mittwoch auf Betreiben der CDU stattfand, weiter offen. Kultusministerin Julia Hamburg (Grüne) sagte: „Wir werden die Geräte zum Schuljahr 2026/27 anschaffen.“ Sie fügte dann hinzu: „Noch gibt es keine Verzögerungen bei der geplanten Auslieferung.“
Die Frage der Anschaffung dieser Tablets hatte schon im vergangenen Jahr kräftigen Wirbel verursacht. Das Projekt fand Eingang in den rot-grünen Koalitionsvertrag, nachdem die niedersächsische SPD im Landtagswahlkampf kräftig dafür getrommelt hatte. Die Unterstützung der Grünen als Koalitionspartner blieb verhältnismäßig vage. Als Ministerpräsident Olaf Lies dann die Einführung ankündigte, reagierte das Kultusministerium zunächst zurückhaltend. Auch die Kommunalverbände und jüngst sogar der Sparkassenverband spendeten keinen Beifall, sondern blieben über Monate skeptisch, eigentlich bis heute. Irritationen entstanden Anfang Dezember 2025, als das Kultusministerium überraschend wenige Stunden vor Beginn einer Haushaltsausschusssitzung beantragte, 250 Millionen Euro „vorweg“ für die Tablet-Anschaffung freizugeben – im Vorgriff auf den Etat 2026, der erst zwei Wochen später vom Landtag beschlossen werden sollte und dann auch wurde. Damals rügte der Haushaltsausschuss-Vorsitzende Björn Thümler (CDU), das Vorgehen sei „überfallartig“.
Am 17. Februar 2026 teilte das Ministerium dann mit, die Ausschreibung für die Tablet-Anschaffung müsse wegen Rügen von Bewerbern nachgebessert werden, eine Verzögerung von vier Wochen müsse man einkalkulieren. Nun fragte Jörn Schepelmann (CDU), was denn diese neue Entwicklung für die Lieferung bedeute. Kultusministerin Julia Hamburg antwortete, es habe in dieser komplexen Ausschreibung nur zwei Rügen gegeben – und diese Anzahl sei vergleichsweise gering. Das Verfahren sei auch nicht fehlerhaft, sondern sei nur an einer Stelle korrigiert worden. Die Veränderung betreffe die Lieferbedingungen, die wegen der internationalen Verwicklungen, etwa der Chip-Krise, nötig würden. Der Zeitplan sei davon aber nicht beeinträchtigt. Der AfD-Abgeordnete Harm Rykena hakte nach, welche Typen bei der Ausschreibung prägend seien. Hamburg meinte, das Land wolle den Schulen vier verschiedene Modelle anbieten, der weit überwiegende Teil der geplanten Anschaffungen betreffe Geräte der Marke Apple. Rykena wollte daraufhin wissen, wie Niedersachsen angesichts dieser Entscheidung verhindern wolle, dass man abhängig von einem einzelnen Konzern wird. Die Ministerin antwortete, das Land könne hier keine Wegweisung vorgeben – denn es liege in der Hand der Schulen, die benötigten Geräte auszuwählen und zu bestellen. Schließlich hänge das auch von der „technischen Umgebung“ ab, die von den Kommunen geschaffen werden müsse.


