Seit dem Wahldebakel in Sachsen-Anhalt wird in der CDU über die Zukunft von Friedrich Merz diskutiert. Bleibt er Bundeskanzler? Wird er abgelöst von Hendrik Wüst, der als Vorzeige-Schwiegersohn der CDU gilt? Oder gar von Manuel Hagel, der für einen Schwaben sogar relativ passables Hochdeutsch spricht? Die Antwort lautet: Nein. Seit gestern wissen wir, dass Deutschland nicht einen neuen Kanzler braucht, sondern gleich drei: Markus Söder, Olaf Lies und Cem Özdemir sollten den Job gemeinsam übernehmen – als Triumvirat.
Wie gut das funktionieren würde, haben die Ministerpräsidenten der „Autoländer“ auf Instagram demonstriert: Söder beginnt einen Satz in München, Özdemir übernimmt in Stuttgart, Lies vollendet ihn in Hannover. Das ist genau das Regierungsformat, das Deutschland jetzt braucht.

Die Geschäftsverteilung geschieht nach gängigen Klischees: Söder kümmert sich um alle Angelegenheiten südlich des Weißwurstäquators, erklärt, warum Bayern alles besser kann, und isst anschließend etwas vor der Kamera. Özdemir rechnet nach, was der Spaß kostet, führt im Kanzleramt die Kehrwoche ein und erklärt den „Grasdackeln“ in Brüssel, wie Wirtschaft funktioniert. Lies sagt einfach nur „Moin“, hält den Laden am Laufen und findet das nicht weiter erwähnenswert.
Auch der Parteienproporz stimmt. Schwarz-Rot-Grün regiert künftig aber nicht in einer Koalition, sondern per Videoschnitt. Streit wird nicht mehr hinter verschlossenen Türen ausgetragen, er wird einfach herausgeschnitten. Und wer zu lange redet, verliert seinen Satz an den nächsten Ministerpräsidenten. Das dürfte Kabinettssitzungen erheblich verkürzen.
Das Grundgesetz müsste geringfügig angepasst werden. Der Bundeskanzler bestimmt künftig nicht mehr die Richtlinien der Politik. Er spricht jeweils drei bis fünf Wörter, bevor vor einem anderen Landeswappen der nächste Regierungschef eingeblendet wird und den Satz übernimmt. Regierungserklärungen dauern höchstens eine Minute und sind mit Untertiteln zu versehen. Auch die Ernennung durch den Bundespräsidenten ist schnell erledigt: Frank-Walter Steinmeier markiert die drei Merz-Nachfolger einfach in seiner Instagram-Story mit #Bundeskanzler und Blumenstrauß-Emoji. So geht moderne Staatsführung: drei Parteien, drei Länder, ein Hochkantformat.
So viel zur wichtigsten Personalie des Tages. Kommen wir nun zu den sonstigen Themen der heutigen Rundblick-Ausgabe. Wir berichten über:
Für heute heißt es damit: Veni, vidi, Redaktionsschluss.
Ihr Christian Wilhelm Link


