Wer im häuslichen Bereich schon einmal mit Teenagern zu tun hatte, kennt das Phänomen der akuten Haushaltsparalyse: Die bloße Aufforderung, den Tisch abzuräumen oder das Zimmer zu saugen, führt im jugendlichen Bewegungsapparat oft zu sofortiger, unheilbarer Erschöpfung. Umso faszinierender ist das, was sich derzeit auf der Ideen-Expo beobachten lässt. Da stehen dieselben Jugendlichen, die zu Hause beim Anblick eines vollen Geschirrspülers spontan alle Energie verlieren, plötzlich mit leuchtenden Augen vor 3D-Simulatoren, programmieren Roboterarme und schweißen sich ihren eigenen Handyhalter.
Während die Motivation zur Hilfe im heimischen Haushalt in der Regel in nur wenigen Sekunden vollständig zusammenbricht, werden auf dem Messegelände hingegen geduldig Warteschlangen ertragen, Anleitungen aufmerksam wahrgenommen und technische Zusammenhänge diskutiert. Offenbar ist die Bereitschaft zum Arbeiten bei den Generationen Z und Alpha durchaus vorhanden. Sie muss lediglich von Drohnen, Lasern, Robotern oder anderen blinkenden Gegenständen angeregt werden.

Vielleicht liegt hier eine wichtige Erkenntnis für die Gerätehersteller: Künftige Haushaltsgeräte sollten weniger nach Weißware und mehr nach Ideen-Expo aussehen. Eine Spülmaschine mit LED-Beleuchtung, Influencer-Logo und einer Highscore-Anzeige könnte ungeahnte Leistungsreserven freisetzen. Und wenn der Staubsauger erst mal per App, Joystick und Virtual-Reality-Brille über den Teppich navigiert werden kann, klappt es endlich auch mit der Sauberkeit.
Bis diese Marktlücke jedoch geschlossen ist, bleibt den leidgeprüften Eltern jedoch nur die Hoffnung, dass wenigstens ein kleiner Teil der auf dem Messegelände entdeckten Begeisterung den Heimweg antritt – und vielleicht sogar bis in die eigene Küche anhält.

Bevor Ihre Motivation, den Rundblick zu lesen, ganz plötzlich abflaut, kommen wir besser schnell zu den Themen der heutigen Ausgabe. Wir berichten über:
Kommen Sie gut in die Plenar-Woche und bleiben Sie aufmerksam!
Ihr Christian Wilhelm Link


