Bislang kein Zukunftsvertrag für Celle
Die Finanzlage von Celle hat sich vor einigen Jahren drastisch verschlechtert, als die Einnahmen aus der Erdöl- und Erdgasförderung extrem nachgelassen hatten. Ein „Zukunftsvertrag“, wie ihn viele niedersächsische Kommunen mit dem Land abgeschlossen und damit eine Landesunterstützung zum Abbau der aufgehäuften Schulden erwirkt haben, ist für Nigges Stadt bisher jedoch nicht zustande gekommen. Die Hoffnungen in der Stadt richteten sich deshalb stark auf den Scholz-Plan, der ein Bundesengagement auch für die niedersächsischen Kommunen bewirkt hätte, die trotz der breitflächigen Entschuldungshilfe der Landesregierung immer noch über einen hohen Stand an aufgehäuften Schulden verfügen – das sind neben Celle etwa Lüneburg, Salzgitter und Goslar, aber auch einige Landkreise. Nigge sagt nun: „Wenn sich das Land Niedersachsen rühmt, die meisten Kommunen schon entschuldet zu haben, dann dürfte es ja kein Problem sein, auch noch die letzten fünf Städte mit hohem Schuldenstand in dieses Programm einzubeziehen.“ Die Stadt Celle habe in den vergangenen vier Jahren auch ihr ernsthaftes Bemühen bewiesen, zu einer strukturellen Gesundung der Stadtfinanzen einen wichtigen Beitrag zu leisten.Nigge fordert weitere Belebung der Wirtschaft
Nach Ansicht von Nigge muss es noch weitere Schritte geben, die zur Belebung der Wirtschaft nach der Corona-Krise nötig sind. So halte er es für „vorgeschobene Argumente“ von Gewerkschaften und Kirchen, wenn man das Sonntags-Verkaufsverbot für den Einzelhandel aufrecht erhalten wolle – während der Online-Handel gerade an Wochenenden blühe. Ein anderes Problem sei, dass bei vielen Investitionshilfen, die Bund und Länder jetzt in Gang setzten, ein kommunaler Eigenanteil verlangt werde. Diese Kofinanzierung könne sich Celle beispielsweise nicht leisten, daher müsse von dieser Verpflichtung Abstand genommen werden.
Nigge hat in der Corona-Krise nach eigenen Worten mehrere Schritte beherzigt, die er in schwierigen Zeiten für wichtig hält: Das Rathaus habe Hilfen organisiert für junge Leute und etwa für ältere, die Unterstützung bei den Einkäufen benötigten. Es sei frühzeitig eine Hotline geschaltet worden, wichtige Bereiche des Rathauses seien weiterhin für Bürger geöffnet gewesen. Gleichzeitig sei es gelungen, die Hälfte der 500 Stadt-Beschäftigten mit leistungsfähigen Heimarbeitsplätzen auszustatten. Pragmatische Hilfen biete man Gewerbetreibenden an. So sei es gelungen, die Außenflächen der Gaststätten zu erweitern, damit diese trotz der Beschränkungen eine lohnenswerte Zahl von Gästen bewirten können – obwohl die Landesbehörden dies zunächst überaus kritisch gesehen hätten. Die Stadt schalte sich in die Gespräche zwischen Vermietern und Mietern von Ladengeschäften ein, wenn es für einige Geschäftsleute brenzlig zu werden droht. Vor Jahren habe Celle auch einen sehr pragmatischen Kurs in der Denkmalpflege eingeschlagen und lasse jetzt mehr zu, als nach einer strengsten Auslegung der Vorschriften möglich wäre.

