15. Juni 2026 · 
TagesKolumne

Bildschirmzeit

Bildungspolitiker erklären die Bildschirmzeit zum Endgegner. Spitzenpolitiker reduzieren die Bildschirmzeit unter Zuhilfenahme von KI.

Einmal Hand aufs Herz: Wie viel Zeit haben Sie die letzten Tage so vorm Smartphone-Display verbracht? Mein Diensttelefon hat am Freitagabend, als ich angefangen habe, über diese Kolumne nachzudenken, 5 Stunden und 56 Minuten angezeigt. Bei meinem privaten Endgerät musste ich das Erfassen der Daten erst noch aktivieren. Hier haben wir also eine Datenlücke, die sich auf die Schnelle nicht valide schließen lässt. Festhalten lässt sich aber: Ich lag damit über dem durchschnittlichen Jugendlichen – und das war nur das Dienstgerät.

Foto: Arsenii Palivoda via Getty Images

Die Bildungsministerinnen der Bundesrepublik haben die Bildschirmzeiten junger Menschen nun jedenfalls zum Endgegner erklärt. Dabei wissen sie genau wie wir und jedes Kind: Die Erwachsenen sind auch nicht besser. Einmal mehr versuchen wir nun also, die Jugend vor etwas zu bewahren, dem wir uns selber ungezügelt und genussvoll hingeben. Besser wissen heißt nicht besser machen. Zeit für eine kritische Selbstbefragung: Daddeln Sie zu viel am Smartphone? (hier teilnehmen) Verraten Sie es uns hier, wir verraten es auch nur kumuliert und anonymisiert weiter, petzen es weder Ihren Kindern noch Ihren Kollegen.

Ihre Meinung ist gefragt

Daddeln Sie zu viel am Smartphone?

Die moderne Arbeitswelt hat nun einen Weg gefunden, die Bildschirmzeiten von uns allen zu verkürzen. Dank künstlicher Intelligenz muss niemand mehr stundenlang an einer Powerpoint-Präsentation tüfteln. Niemand muss umfangreiche Schriftsätze lesen, verstehen oder verfassen. Kein Abgeordneter muss sich Anfragen überlegen. Keine Regierungszentrale muss diese Anfragen händisch beantworten. Und niemand muss mehr allzu viel Hirnschmalz für eine Gedenktagrede oder einen Gastbeitrag in einer renommierten Tageszeitung aufwenden. Mario Voigt sei Dank, denken wir nun öffentlich darüber nach, wie wir das alles finden.

Die Bildungsministerkonferenz macht es vor: Wir dürfen das auch nicht wollen. Wir dürfen uns auch bei unseren Altersgenossen über Bildschirmzeiten, Doom-Scrolling und KI-generiertem Nonsens ärgern. Und dann fassen wir uns an die eigene Nase und versuchen, es besser zu machen. Bevor Sie jetzt die Nase aber vom Bildschirm abwenden, schauen Sie bitte noch kurz, ob wir heute nicht ein spannendes Thema für Sie im Rundblick haben:

  • Dienstsport: Das Land sucht einen Partner, der allen Landesbeschäftigten ein günstiges Fitness-Angebot gewährleisten kann. Doch das ist komplizierter als zunächst vermutet.


  • Social Media: Die Bildungsministerkonferenz gibt sich Leitplanken für den Umgang mit Social Media im schulischen Bereich. Von einem Verbot ist dabei keine Rede, Medienbildung rückt in den Fokus.


  • Atommüll: Im Rundblick-Podcast erklärt BASE-Präsident Christian Kühn, wie sich die Bevölkerung bei der Standortsuche einbringen kann und wie sich das Verfahren doch beschleunigen ließe.


  • Demo-kratie: An einem „Sternmarsch für Demokratie“ haben sich viele Schüler beteiligt. Drei Grünen-Politiker und je einer von SPD, CDU, Linken, Piratenpartei und FDP bekamen dabei eine Bühne.


  • Personen und Positionen: Hanno Kummer, Jürgen Krogmann, Sephir Arden

Starten Sie gut in die neue Woche

Ihr Niklas Kleinwächter

Dieser Artikel erschien in Ausgabe #109.
Niklas Kleinwächter
AutorNiklas Kleinwächter

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