„Politik ist nicht alles im Leben.“: Althusmann mit Parteichef McAllister und Fraktionschef Thümler am Samstag in Hannover - Foto: Jakob Brüning[/caption]
2013 kam der Bruch in diesem Politikerleben. Er verlor das Landtagsmandat, entschied sich, für die Adenauer-Stiftung nach Namibia zu gehen. Knapp drei Jahre blieb er dort. „Ich bin ein anderer geworden“, sagt er heute. Aber merkt man ihm das an? Althusmann spricht über den täglichen Rassismus auf der Straße in manchen afrikanischen Ländern, über die Altersarmut der Menschen in Angola, über tägliche Anfeindungen, Korruption und das Gefühl, ein funktionierendes Staatswesen wie in Deutschland als hohen Wert zu schätzen. „Manchmal erscheint mir das, worüber wir uns im Landtag bis 2013 immer so aufgeregt haben, als nebensächlich.“
Die Arbeit in Namibia war für Althusmann eine Art Lebenstraum, er wollte eine andere Welt kennenlernen. Es war auch eine Annäherung an den mittlerweile verstorbenen Vater. Althusmann wurde 1966 als Einzelkind eines Pastoren und einer Krankenschwester in Oldenburg geboren. Der Vater wurde häufig versetzt, so erlebte Bernd als Kind verschiedene Orte – Edewecht, Leer und Fürstenberg im Weserbergland. Als er zehn Jahre alt war, ging die Familie nach Lüneburg, in jene Stadt, in der er später der CDU beitrat. Bevor sein Vater 1986 in den Ruhestand ging, hatte er noch als Bordpfarrer auf Kreuzfahrtschiffen gearbeitet – und viel von der Welt gesehen, etwa in Südamerika. Er sprach portugiesisch. Auch Bernd Althusmann lernte portugiesisch, eine Sprache, mit der er sich in Angola gut verständigen konnte. Das Interesse für fremde Menschen und Kulturen, das Mitgefühl für soziale Fragen – das sind Dinge, die seinen Vater immer charakterisierten. Der Sohn trat in seine Fußstapfen, näherte sich ihm damit an. Ob sich der frühere Bundeswehrsoldat, der als Finanzfachmann immer ein strikter und strenger Haushaltspolitiker war, nun zum verständnisvollen Sozialpolitiker gewandelt hat?
Jenseits von Afrika warten auf Althusmann jetzt ganz andere Herausforderungen: Er muss sich bekannt machen, mit der Volkstümlichkeit von Stephan Weil mithalten können, Netzwerke knüpfen und vor allem: die eigenen Anhänger jeden Tag aufs Neue motivieren. Der Mann aus dem Hintergrund muss in den Vordergrund treten, sich stärker öffnen und den Menschen zuwenden. Ganz so, wie es einst auch sein Vater, der Pastor, getan hatte. (kw)
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