"Der frühere Offizier hat immer noch den Ruf, konservativ und kantig zu sein..."
Althusmann ist klug, er bewegt sich selbstsicher auf dem landespolitischen Terrain. Das kommt ihm in öffentlichen Auftritten zugute. Aber der frühere Offizier hat immer noch den Ruf, konservativ und kantig zu sein, ein bisschen so wie früher Wilfried Hasselmann, nur nicht so gesellig. Damit steht der CDU-Landesvorsitzende für die ländliche CDU, die solche eher patriarchalischen Typen schätzt und fördert. Dieses Image mag ihn nur unzureichend beschreiben – aber die CDU hat Mühe, ihn lockerer, großstädtischer, offener und diskussionsfreudiger erscheinen zu lassen. Als Spitzenkandidat mit liberalem Großstadtprofil taugt der im sozialdemokratischen Milieu von Hannover und Göttingen geformte Stephan Weil besser, er kann diese Karte überzeugend ausspielen. Soll man Althusmanns Image nun verändern? Das wäre fatal, denn der Spitzenkandidat muss authentisch bleiben. Er ist nun mal so, wie er ist.
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Viel hängt deshalb vom Team ab, dass der Kandidat demnächst präsentieren will. Wer hat neben ihm eine wichtige Rolle? Eine zehnköpfige Mannschaft zu benennen, wie er es ursprünglich vorhatte, wäre wohl ein Fehler – denn zu viele Köche verderben den Brei, man würde bei zu vielen Köpfen den Überblick verlieren. Weniger wäre mehr. Aber wer soll es sein? Mehrere Leistungsträger aus der Landtagsfraktion wie Björn Thümler, Jens Nacke, Jörg Hillmer, Ulf Thiele, Kai Seefried, Uwe Schünemann und Reinhold Hilbers stehen ebenso für die eher „ländliche“ CDU. Aber wer ist die großstädtische Figur neben Althusmann? Eine Frau wie einst Rita Süssmuth, die für die Erneuerung der CDU und der ganzen Gesellschaft stand, wäre nicht schlecht.
Die Bundestagsabgeordnete Gitta Connemann aus Leer, die nun zuweilen genannt wird, könnte in dieser Hinsicht kaum überzeugen, sie hat bisher keine klare Ausrichtung gezeigt und ist auch eher im konservativen Milieu verwurzelt. Für Susanne Schmitt von der Industrie- und Handelskammer gilt das gleichermaßen. Am ehesten wäre hier noch Hannovers CDU-Chef Dirk Toepffer zu nennen. Eine andere Möglichkeit, ein weltoffenes, modernes Profil zu schärfen, läge im Import von Bundespolitikern. Das hat Ernst Albrecht vorgemacht, als er 1976 den jungen Bundestagsabgeordneten Walther Leisler Kiep, einen ausgewiesenen Bundespolitiker, in die Landespolitik holte. Die Kür von Kiep löste bei den Beobachtern ein Aha-Erlebnis aus – und ließ die CDU im ganz anderen, viel positiveren Licht erscheinen. Ob Althusmann weiß, wie wichtig ein gutes Team für ihn ist? Manchmal wirkt er noch wie ein Einzelkämpfer, der glaubt, alles im Alleingang schaffen zu können. Doch das ist ein Trugschluss.
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