
Am kommenden Freitag entscheidet sich, ob Niedersachsen künftig wieder eine Exzellenzuniversität haben wird. Drei Hochschulen sind noch im Rennen um den begehrten Titel und die damit einhergehende Forschungsförderung. Die Leibniz-Universität Hannover (LUH), die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) sowie die Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg, die im Verbund mit der Universität Bremen antritt, haben noch die Chance, in den exklusiven Kreis aufgenommen zu werden. Die formalen Voraussetzungen erfüllen sie, weil die Hochschulen an mindestens zwei beziehungsweise im Verbund an drei Exzellenzclustern beteiligt sind. Zehn bestehende Exzellenzuniversitäten behaupteten sich bereits im Begutachtungsverfahren und werden auch künftig gefördert. Auf die fünf freien Plätze kommen deutschlandweit nun elf Bewerber, die am Freitag bangen werden – darunter die MHH, LUH und der Verbund Oldenburg/Bremen. Niedersachsens Wissenschaftsminister Falko Mohrs (SPD) hat den Anspruch formuliert, künftig mindestens eine Exzellenzuniversität in Niedersachsen haben zu wollen.
Die Leibniz-Universität Hannover hat ihre Bewerbung unter den Titel „Excellence. Impact. Change! United in the Spirit of Leibniz“ gestellt. Bereits im vergangenen Jahr konnte sich Uni-Präsident Volker Epping in der ersten Phase der laufenden Exzellenz-Förderung über drei erfolgreiche Cluster freuen. Im Exzellenzcluster „PhoenixD“ nutzen die Wissenschaftler nach eigener Darstellung Lichtfrequenzen, um die Quantenkommunikation abhörsicher zu machen. Im Exzellenzcluster „Quantum Frontiers“ nutzen die Forscher einen Quantengravimeter, um das Schwerefeld der Erde hochgenau zu bestimmen. Im dritten Cluster „Hearing 4 all“ forschen multidisziplinäre Teams in vier Bereichen, um etwa neue Hörimplantate oder biologische Therapien zu entwickeln. Jenes Cluster teilt sich die LUH mit der MHH. Die wiederum stellt ihre eigene Bewerbung unter den Titel „Inspire-future-Health“. Auf der Bewerbungswebsite skizzieren die Wissenschaftler ihre Vision einer Medizin der Zukunft: ein Modell der Gesundheitsversorgung, das Forschung, Lehre und Krankenversorgung in einem agilen Gesundheits-Ökosystem vereinen soll. Sie verfolgen dabei das sogenannte P4-Konzept, mit dem sie neue Maßstäbe setzen wollen bei Prävention, Prädiktion, Präzisionsmedizin und Partizipation. Die Bewerbung der „Northwest Alliance“ aus Universität Bremen und Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg steht unter dem Titel „Connecting for Tomorrow“. Die Uni Oldenburg ist wie LUH und MHH ebenfalls am Forschungscluster „Hearing 4 all“ beteiligt. Darüber hinaus hat sich die Hochschule mit zwei weiteren Clustern durchsetzen können, einem Projekt aus der Biodiversitäts- und Meeresforschung und dem Projekt „Navi-Sense“, das die Navigationsfähigkeit von Tieren erforscht.
Die Entscheidung trifft am 2. Oktober die sogenannte Exzellenzkommission. Diese setzt sich zusammen aus dem von der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz ernannten Expertengremium „Committee of Experts“ sowie den Wissenschaftsministern von Bund und Ländern. In den vergangenen Monaten haben die 39 ausgewählten Fachleute von internationalem Rang die Bewerberhochschulen besucht und sich über die fachliche Eignung der Forschungseinrichtungen ein Bild gemacht. Bei den drei Terminen in Niedersachsen sind nach Auskunft der Landesregierung auch Wissenschaftsminister Mohrs und Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) aktiv beteiligt gewesen. Bund und Länder haben das Gesamtbudget für die Exzellenzstrategie zuletzt von 533 auf 687 Millionen Euro aufgestockt. Finanziert werden damit sowohl die 40 Exzellenzcluster als auch die Exzellenzuniversitäten. Deren Förderperiode dauert von 2027 bis 2033. Die Exzellenzstrategie von Bund und Ländern verfolgt das Ziel, die Spitzenforschung in Deutschland zu stärken und die Wissenschaftsstandorte der Bundesrepublik im internationalen Wettbewerb möglichst gut aufzustellen. Erstmals aufgelegt wurde das Förderprogramm 2005, damals noch unter dem Namen Exzellenzinitiative. 2007 erhielt die Georg-August-Universität Göttingen den Status einer Exzellenzuniversität, verlor diesen 2012 aber wieder. Im aktuellen Verfahren ist Göttingen frühzeitig ausgeschieden, weil sich die Universität mit keinem Exzellenzcluster hat durchsetzen können.


