19. Okt. 2026
TagesKolumne

Beim Thema "Pflege" durchgefallen

Eine Wahl-Veranstaltung hat gezeigt, wie schwer es für die ältere Generation geworden ist, sich Gehör zu verschaffen.

Es ist gar nicht so lange her, da war noch Sommer und Wahlkampf. Die Diakonie und die Neue Presse hatten Kandidaten für das Amt des Regionspräsidenten in Hannover eingeladen, um sie nach ihren Plänen zur Gesundheitspolitik zu befragen. Mutmaßliche Mauscheleien beim Klinikum Lehrte waren noch nicht bekannt. Trotzdem ging es viel um Lehrte: Das Aus eines Krankenhauses ist ein emotionales Thema, bei dem die Opposition hervorragend angreifen kann. Als die Rede auf das zweite große Thema des Abends kam, die Pflege, war mehr als die Hälfte der Zeit schon verstrichen. Alle auf dem Podium waren sich einig, dass es besseren Hitzeschutz in Pflegeeinrichtungen braucht. Ja, sicher braucht es den. Trotzdem wirkte die Diskussion ein bisschen hilflos auf mich. Eine ganze Generation, die nichts so sehr fürchtet wie die Pflegebedürftigkeit, verdient mehr als ein paar Klimaanlagen, um ihre Ängste zu lindern.

Sieben Personen diskutieren auf einem Podium
Den "Kandidatencheck" beim Thema "Häusliche Pflege" hat keiner bestanden, meint Klaus Makowka. V.l: Gastgeber Hans-Joachim Lenke, Sinja Münzberg (Grüne), Robert Reinhardt-Klein (FDP), Eva Bender (SPD), Oliver Junk (CDU), Mizgin Ciftci (Linke) und Gastgeber Carsten Bergmann | Foto: Beelte-Altwig

Im Publikum saßen wenige aus der betroffenen Generation – was vielleicht auch daran lag, dass man sich online anmelden musste. Aber ein Betroffener saß neben mir: ein hochgewachsener, schlanker Mann mit weißem Bart und ernstem Gesicht. Als er sich zu Wort meldete, wurde deutlich: Klaus Makowka kennt sich im Thema „Pflege“ besser aus als die meisten auf dem Podium. Zwölf Jahre lang hat er seine demenzkranke Frau gepflegt. Nach dem Ende der Diskussion scharte sich eine Traube von Zuhörern um ihn, um ihm Respekt zu zollen oder ihm Fragen zu stellen. Ich drückte ihm meine Karte in die Hand und bekam ein paar Tage später tatsächlich Post, einen richtigen Brief auf Papier. „Eine enttäuschende Veranstaltung, da offenkundig keiner der Kandidaten vertiefend sich mit den Betroffenen unterhalten hat“, schrieb er mir (und auch, dass sein Versuch, sich telefonisch statt online anzumelden, mit naseweisen Bemerkungen über sein Alter quittiert wurde).

Der Fokus der Politik liegt auf der stationären Versorgung, aber 85 Prozent der Pflege wird zu Hause geleistet. Während Politiker phantasieren, wie man die Menschen dazu bringen kann, mehr Zeit mit Erwerbs- und weniger mit Sorgearbeit zu verbringen, sagen die Wohlfahrtsverbände schon lange: „Wir werden nicht mehr alle pflegen können!“ Was im Umkehrschluss heißt: Die Familien müssen wieder übernehmen. Mir fehlte bisher die Phantasie, wie das aussehen soll. Klaus Makowka hat es einfach getan. Nicht aus Pflichtgefühl, wie er sagt, sondern aus Liebe. Ich habe ihn in seiner Kommune, der Wedemark, besucht, wo er für eine bessere Unterstützung pflegender Angehöriger kämpft – und das tut, was im Gesundheitswesen oft fehlt: Zuhören und Lösungen suchen.

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Ich wünsche Ihnen, dass Ihnen an diesem Dienstag zugehört wird!

Ihre Anne Beelte-Altwig

Dieser Artikel erschien in Ausgabe #184.
Anne Beelte-Altwig
AutorinAnne Beelte-Altwig
Beim Thema "Pflege" durchgefallen | Rundblick Niedersachsen