27. Juni 2023
Wirtschaft

BDI-Präsident: „Mit den Wählern der AfD nicht zu sprechen, ist keine Option"

Siegfried Russwurm, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), hat zu einem anderen Umgang mit den Unterstützern der Alternative für Deutschland (AfD) aufgerufen.

Reden über Industriepolitik (von links): Werner M. Bahlsen, Andreas Jäger, Stephan Weil, Siegfried Russwurm, Jörg Arnold und Volker Müller. | Foto: Link

„Mit den Wählern der AfD nicht zu sprechen, ist keine Option. Wir müssen ihnen ganz banal erklären, welche Riesenvorteile wir durch Europa haben. Wir müssen ihnen zeigen, welcher Industriebetrieb vor Ort nur deswegen wettbewerbsfähig ist, weil er 80 Prozent seiner Waren exportiert und davon zwei Drittel in die EU“, sagte Russwurm beim UVN-Talk „Auf den Punkt“ in Hannover und betonte: „Wir brauchen mehr Europa und nicht weniger. Wir müssen den europäischen Binnenmarkt vervollständigen.“ Dass sich die AfD derzeit im Aufwind befindet, erklärt sich der Aufsichtsratschef von Thyssen-Krupp auch durch die Debatte rund um das Gebäudeenergiegesetz.

„Wir können uns nicht alles leisten. Wir müssen in die Diskussion um Prioritäten einsteigen.“

Siegfried Russwurm

„Dabei ist endlich mal ehrlich ausgesprochen worden, was Sache ist: Es gibt in diesem Land Personengruppen, die für die Klimawende zahlen müssen, und das sind die Endverbraucher und Steuerzahler – Pech, wenn du beides bist!“, sagte Russwurm. Der BDI-Präsident kritisierte, dass bei den Umweltzielen der Bundesregierung das Delta zwischen Ambition und Umsetzung immer größer werde. „Wir können uns nicht alles leisten. Wir müssen in die Diskussion um Prioritäten einsteigen“, sagte der 60-Jährige.



Er forderte klare Rahmenbedingungen, mehr Unternehmertum, mehr Wettbewerb und mehr Offenheit für schlaue Menschen aus dem In- und Ausland. Außerdem kritisierte Russwurm den von Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) vorgeschlagenen Transformationsstrompreis für die Industrie. Ein „Brückenstrompreis“ sei problematisch, wenn man nicht wisse, wie es am anderen Ufer aussieht. „Lassen Sie uns von der anderen Seite anfangen. Wir brauchen ein realistisches Bild davon, was das Energiesystem der Zukunft kostet“, sagte der BDI-Präsident. Die Stromkosten für die deutsche Industrie müssten dauerhaft auf ein wettbewerbsfähiges Niveau abgesenkt werden.

Dieser Artikel erschien am 28.6.2023 in Ausgabe #118.