29. Okt. 2026
TagesKolumne

Bad Guys lieben Audi

Audi-Chef Gernot Döllner bereitet Donald Trump mit einer Milliarden-Ankündigung die perfekte Wahlkampfbühne – und sorgt damit in Niedersachsen für erheblichen Ärger.

Wer die Amazon-Serie „Reacher“ aufmerksam verfolgt, merkt sehr schnell: Sobald ein schwarzer Audi ins Bild fährt, lässt die Action nicht mehr lange auf sich warten. Die Guten fahren Pick-up, Chrysler oder irgendeine Karre, die seit drei Hauptuntersuchungen eigentlich stillgelegt gehört. Wenn das Logo mit den vier Ringen im Bild auftaucht, will irgendjemand Jack Reacher erschießen, entführen oder zumindest sehr unfreundlich behandeln. Bislang hielt ich das für eine etwas plumpe Methode der US-amerikanischen Serienmacher, Gut und Böse auseinanderzuhalten. Dann trat Audi-Chef Gernot Döllner bei Donald Trump auf.

Audi-Chef Gernot Döllner (rechts) leistet Schützenhilfe für Donald Trump in Georgia. Für dessen Wähler liegt die Botschaft auf der Hand: Trumps Zölle bringen Milliarden-Investitionen und neue Jobs in die USA. | Foto: X/Screenshot

Denn wer braucht noch einfallslose Drehbuchautoren, wenn der oberste Ringträger aus Ingolstadt selbst Regie führt? Während bei Audi in Neckarsulm mehrere tausend Beschäftigte um ihre Arbeitsplätze zittern, ließ sich der Konzernchef in Georgia schon mal für das nächste Milliardenprojekt feiern. Bei einer Wahlkampfshow von Donald Trump stand er grinsend neben dem US-Präsidenten und versprach ein Vier-Milliarden-Dollar-Investment sowie 4500 neue Jobs. Wo war da Döllners PR-Berater? Lag der gefesselt im Kofferraum eines schwarzen Audi-SUV neben Reacher? Oder ging er gerade das nächste Drehbuch durch, um den Bösewichten in Ingolstädter Premiumfahrzeugen noch mehr Screentime zu verschaffen?

Die empörten Reaktionen aus Niedersachsen kamen so plötzlich wie ein Audi auf der Autobahn, sobald die linke Spur frei ist. Grünen-Fraktionschefin Anne Kura nannte Döllners Auftritt „unterwürfig und peinlich“. SPD-Wirtschaftspolitiker Christoph Bratmann forderte, der Audi-Chef müsse dringend „wieder in die Spur zurückfinden“. Und Ministerpräsident Olaf Lies, zugleich Mitglied im VW-Aufsichtsrat, stellte klar: Eine Wahlkampfveranstaltung sei nicht der richtige Ort, um eine Milliarden-Investition zu verkünden, die auch noch gar nicht vom Aufsichtsrat abgenickt wurde. „Hier wurde ein Unternehmensverantwortlicher zum Teil einer politischen Inszenierung“, ließ Lies über seinen Sprecher Christian Budde ausrichten, der vor diesem Statement unbestätigten Quellen zufolge dramatisch die Sonnenbrille zurechtrückte.

Wenn demnächst ein dunkler Audi A8 um die Ecke biegt, muss nicht nur Jack Reacher auf der Hut sein. Es könnte auch Olaf Lies darin sitzen – auf dem Weg zur nächsten Aufsichtsratssitzung, um Döllner noch mal persönlich zu erklären, was er von solchen PR-Aktionen hält.

Die heutige Rundblick-Ausgabe weist übrigens ebenfalls auffällige Parallelen zu einer typischen „Reacher“-Folge auf. Es geht unter anderem um tätowierte Polizisten, Clankriminalität, ein Justizdrama und jede Menge Geld. Das sind die Themen:

  • Jetzt entscheiden die Richter: Die CDU geht nach Bückeburg und klagt. Sie wirft der Landesregierung vor, dem Untersuchungsausschuss zur Justiz-Affäre die notwendigen Akten nicht auszuhändigen.


  • Das bisschen Haushalt: Das Politikjournal Rundblick blickt in einer Serie auf das Königsrecht des Parlaments – den Landesetat. Heute: Der Verkehrsetat im Wirtschaftsministerium.


  • Bauen wie in den Neunzigern: BFW-Geschäftsführer David Jacob Huber fordert im Rundblick-Interview einen Baustandard wie in den Neunzigerjahren, weniger Normen und einen Vorrang für den Menschen.


  • Personen & Positionen: Sebastian Lechner, Jan Vermöhlen und Kevin Komolka.

Einen actionreichen Donnerstag wünscht
Ihr Christian Wilhelm Link

Dieser Artikel erschien in Ausgabe #191.
Christian Wilhelm Link
AutorChristian Wilhelm Link
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