27. Okt. 2026
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Siebels und Lesemann führen die SPD-Fraktion – mit einem eher mittelmäßigen Ergebnis

Der neue Chef der SPD-Landtagsfraktion will hart in der Sache debattieren - aber "weich zu den Menschen" bleiben, kündigte er nach seiner Wahl an.

Die neue Spitze der SPD-Fraktion: Wiard Siebels und Silke Lesemann. | Foto: Wallbaum

Die SPD-Landtagsfraktion hat sich am Dienstag an der Spitze neu aufgestellt. Nachdem der bisherige Vorsitzende Stefan Politze (Hannover) am 8. Oktober zurückgetreten war, wählten die sozialdemokratischen Abgeordneten jetzt den 48-jährigen Wiard Siebels (Aurich) zum neuen Vorsitzenden. Neue Parlamentarische Geschäftsführerin soll die 64-jährige Historikerin Silke Lesemann aus Sehnde (Region Hannover) werden. Sie folgt auf Siebels, der bisher diese Funktion ausgeübt hatte. Die Wahlen fanden ohne Personaldebatte statt. Weitere Personalien, die sich in der Folge ergeben, will die SPD-Fraktion in ihrer Klausurtagung Mitte November festlegen.

Von den 57 Mitgliedern, die der SPD-Fraktion angehören, waren 43 zu der Sitzung erschienen. Von diesen 43 votierten 37 für Siebels, drei stimmten mit Nein und weitere drei enthielten sich. Die Pressestelle der SPD-Fraktion folgerte daraus, dass der neue Vorsitzende eine Zustimmung von 86 Prozent erhalten habe. Tatsache ist allerdings auch, dass 20 Abgeordnete der Fraktion Siebels nicht gewählt haben, also etwa ein Drittel. Der neue Vorsitzende sagte allerdings, einige Mitglieder seien erkrankt und andere hätten ihm geschrieben, dass sie leider verhindert seien. Mehrere hätten aber vorher erklärt, dass sie mit Ja gestimmt hätten, wenn sie hätten kommen können. Daher dürfe man den fehlenden Fraktionsmitgliedern keine Ablehnung der neuen Führung unterstellen. Für Lesemann, die bisher Vize-Fraktionschefin war, sprachen sich 39 Abgeordnete aus. Einer stimmte mit Nein, drei enthielten sich. Siebels tritt bei der Landtagswahl am 26. September 2027 wieder an, bei Lesemann ist das noch unklar.

Wiard Siebels zu Beginn der SPD-Fraktionssitzung. | Foto: Wallbaum

Im Vorfeld der Wahlen war Kritik laut geworden, da nun alle drei hochrangigen Positionen der SPD (Ministerpräsident, Landtagspräsidentin und Fraktionschef) in den Händen von Abgeordneten des Parteibezirks Weser-Ems liegen. Siebels sagte, das liege an den momentanen Umständen und dürfte sich nach den Landtagswahlen wieder ändern. Gegenwärtig habe die SPD eine „leichte Lastigkeit in den Nordwesten“, das aber sei vorübergehend. Wichtig sei gegenwärtig, dass die SPD schlagfertig und argumentativ gut aufgestellt agieren könne. Siebels ist Vater eines kleinen Sohnes, hat Jura in Osnabrück studiert und ist schon mit 15 – damals nur über eine Sondergenehmigung – der SPD beigetreten. Prägend für ihn sei sein Großvater gewesen, der früher in der Arbeiterbewegung war und nach dem Zweiten Weltkrieg in der Entnazfizierungskommission mitgewirkt hat. In der niedersächsischen SPD wird Siebels, der zu den besten Rhetorikern im Landtag gehört, dem eher gemäßigten Flügel zugerechnet. Er sagte, dass er gern den politischen Schlagabtausch suche, aber die Härte in der Sache immer mit Milde im persönlichen Umgang verknüpfe. Schon seit vielen Jahren verlässt sich die SPD-Landtagsfraktion in Parlamentsdebatten immer auf ihn, wenn es darum geht, spontan die richtigen Antworten auf Angriffe der Opposition zu finden.

Dieser Artikel erschien in Ausgabe #190.
Klaus Wallbaum
AutorKlaus Wallbaum
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