Kein Blick in den Kalender ist nötig: Der Herbst liegt in der Luft. Beste Wandersaison – oder, für diejenigen, die nicht nur den richtigen Weg, sondern auch den Sinn dahinter suchen: Pilgersaison. Beim Pilgern geht es ja darum, seinen Idolen möglichst nahe zu kommen, was schwieriger wird, je länger die Idole schon verstorben sind. Frauenminister Andreas Philippi schwang sich aufs Fahrrad, um zwei bisher weitgehend unbekannte Niedersächsinnen am Ort ihres Wirkens zu ehren: Eleonore Prochaska in Dannenberg und Marianne Fritzen in Lüchow.

Bild: Stadtarchiv Dannenberg / Elbe via Frauenorte Niedersachsen
Prochaska war zu Lebzeiten besser bekannt unter dem männlichen Pseudonym August Renz. Unter diesem Namen kämpfte sie 1813 im bis heute legendären Lützowschen Freikorps gegen die napoleonischen Truppen. Schwer verwundet, musste sie ihre Identität als Frau offenbaren und erlag in Dannenberg ihren Verletzungen. Schon lange vor der Zeitenwende wurde die verwegene Eleonore vom Landesfrauenrat und seinen lokalen Kooperationspartnerinnen mit einem „Frauenort“ geehrt. Das Ministerium lobt sie jetzt für den Mut, sich „eigene Handlungsspielräume zu schaffen“, was man von Behörden sonst wirklich selten hört.
Fast zeitgleich begaben sich einhundert Beschäftigte und Bewohner von Einrichtungen der Caritas im Oldenburger Land auf einen Pilgerweg. Auch Weihbischof Wilfried Theising schnürte die Wanderstiefel und machte sich mit ihnen auf die Suche nach authentischen Erfahrungen. Letzteres hat er mit dem Volkswagen-Vorstand gemeinsam. Der absolvierte am Montag in Hannover die letzte Station seiner Tour zu den Produktionsstandorten und traf auf die echten Beschäftigten, die direkt von seinen unternehmerischen Entscheidungen abhängen. Es ist ein wenig in Vergessenheit geraten, aber Pilgerwege waren einst ein bewährtes Mittel, um Vergebung zu erlangen. Davon ist der VW-Vorstand aber noch ein ganzes Stück entfernt, wie Sie heute im Rundblick lesen können.
Außerdem haben wir diese Themen für Sie:
Die Katholikin in mir mag am Pilgern übrigens diesen Hauch von Freiheit. Ich glaube, nirgends in der katholischen Kirche kann man gleichzeitig dazugehören und sich so frei fühlen.
Vielleicht lassen Sie sich heute auch einen herbstlichen Freiheitswind um die Nase wehen.
Ihre Anne Beelte-Altwig


